Aus Besatzern wurden Freunde – 70 Jahre Belgier in Troisdorf

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Ausstellungsprojekt des MUSIT und des Wahner Heide Portals Burg Wissem:

Aus Besatzern wurden Freunde – 70 Jahre Belgier in Troisdorf

Als die belgischen Streitkräfte 2004 endgültig ihre Standorte in Troisdorf räumten, war dies eine tiefe Zäsur in der Stadtgeschichte. Familiäre Bindungen, enge Freundschaften und viele Spuren im Stadtbild blieben als Zeichen einer beispielhaften Entwicklung, die heute zu Recht als erfolgreiche europäische Integrationsgeschichte gewürdigt wird.

Dabei waren die Anfänge keineswegs harmonisch: Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs marschierten auch belgische Soldaten als Besatzungskräfte in Deutschland ein. Sie übernahmen ab 1951 den Schießplatz in der Wahner Heide, der schon seit 1817 militärisch genutzt wurde, als Panzerübungsgelände. Zur Unterbringung der Soldaten wurden neue Kasernen in Altenrath („Camp Major Legrand“) und Spich („Camp Flandern“, seit 1996 „Camp König Baudouin“) mit Kirchen, Sportanlagen, einem Kino, Gastronomie, Gästehäusern u.a. gebaut. Darüber hinaus wurden Offiziere und ihre Familien in Privatwohnhäusern einquartiert. Eine zunächst für britische Soldaten geschaffene Siedlung und weitere Wohnbauprojekte wurden später für die Unterbringung der belgischen Soldatenfamilien ausgebaut und erweitert.

Bei der Bevölkerung waren die Belgier zunächst nicht gerne gesehen. In den Zeitungen wurde immer wieder über Konflikte berichtet. Erst nach und nach näherten sich die Menschen an: Pralinen, Fritten oder belgisches Bier bereicherten zunehmend den Speiseplan der deutschen Nachbarn, auch die Sport- und Freizeitanlagen der Kasernen durften teilweise mitbenutzt werden.

Nachdem die Bundesrepublik Deutschland 1955 in die NATO aufgenommen worden war, wurden aus den Besatzern Partner. Was damals noch niemand ahnte: Auch der Naturschutz profitierte, da die Belgier bestimmte Flächen bei ihren Manövern mieden, andererseits aber mit ihren regelmäßigen Panzerübungen wertvolle Offenflächen der Heide von Bewuchs freihielten. Die Bevölkerung durfte ab 1968 zu festgelegten Zeiten an Wochenenden und Feiertagen zur Erholungssuche ins Naturschutzgebiet.

Der Beginn dieses bemerkenswerten Kapitels der Troisdorfer Stadtgeschichte jährt sich 2021 zum 70. Mal, Anlass für das MUSIT und das Wahner Heide Portal Burg Wissem, die belgisch-deutsche Geschichte mit einer Ausstellung in Burg Wissem zu würdigen.

Wir möchten Sie dabei um Ihre Mitwirkung bitten: Können Sie aus persönlichem Erleben etwas zur Geschichte beitragen? Haben Sie noch Fotos, Erinnerungsstücke oder alltägliche Objekte aus belgischen Einrichtungen in Troisdorf, die Sie für die Dauer der Ausstellung ausleihen würden? Die Ausstellungkuratorinnen freuen sich auf Ihre Beiträge.

Wegen der Corona-Regelungen und der ungewissen Öffnung des Museums und des Portals bitten wir darum, dass Sie mögliche Objekte nicht direkt zur Burg Wissem bringen, sondern sich zunächst mit Frau von Berg in Verbindung setzen. Sie erreichen Beate von Berg im Rathaus der Stadt Troisdorf unter der Telefonnummer 900-466, per Mail an vonbergb@troisdorf.de oder per Brief an die Stadt Troisdorf, Amt 60, z. Hd. Frau von Berg, Kölner Straße 176, 53840 Troisdorf.

Herzlichen Dank vorab!