Was geschah vor 50 Jahren in Troisdorf?
1961

Geschrieben von Peter Haas (ab 2005: Aus dem Pressespiegel der Stadt Troisdorf)

Zu Jahresbeginn weist die Einwohnerstatistik des Siegkreises 1 437 Gastarbeiter aus, darunter 239 Frauen. Griechen stellen mit 835 Männern die größte Gruppe, gefolgt von 214 Italienern und 159 Spaniern. (Anzeiger für Sieg und Rhein vom 18. Januar 1961)

In der Gemeinde Sieglar stehen wichtige Renovierungsmaßnahmen kurz vor dem Abschluss: Die Schule in Eschmar ist zusätzlich noch erweitert worden und wird am ersten Schultag des neuen Jahres, am 9. Januar, bezogen. Während das Sieglarer Pfarrhaus schon in frischem Weiß erstrahlt, muss an der Kirche nur noch der Turm renoviert werden.

Nach fünfjähriger Pause wird in Troisdorf endlich wieder ein Prinz proklamiert. Es ist Karl-Heinz I. (Haas). Adjutant ist Helmut Meisel. Die Proklamation findet am 14. Januar im Saal Mörsch statt.

Der Stadt-Anzeiger berichtet am 4. Januar, dass der bisherige Kaplan an St. Hippolytus, Heinrich Müller, zum Pfarrer des neuen Rektorats St. Mariä Königin berufen wurde. Das Rektorat verfügt zwar noch über keine eigene Kirche. Die Vorbereitungen für den Kirchenbau werden jedoch mit Eifer betrieben.

Die besten Modellbauer für den Luftsport im Lande Nordrhein-Westfalen kommen aus Troisdorf. Die Troisdorfer Modellbauer errangen im abgelaufenen Jahr bei allen Wettbewerben die meisten Punkte vor Rheinberg, Versmold, Düsseldorf und Hagen. Die Erfolge werden insbesondere auf die Spitzenleistungen der deutschen Jugendmeister H. J. Emons und Werner Käseberg zurückgeführt, berichtet der General-Anzeiger am 12. Januar.

Der Vorstand der Schützenbruderschaft St. Sebastian Troisdorf hat seine erste Sitzung im neuen Versammlungsraum des Schützenhauses abgehalten. Brudermeister Schleifenbaum würdigte die im Siegkreis wohl einmalige Leistung der Troisdorfer Schützen, die in freiwilligem Einsatz diese vorbildliche Anlage mit zwölf Ständen für Pistolen-, Luftgewehr- und Kleinkaliberschießen geschaffen haben und daneben einen Versammlungsraum, der bei dieser Gelegenheit eingeweiht wurde, berichtet die Rundschau am 11. Januar.

Am 12. Januar berichtet die Rundschau über die zum 21. Januar geplante Karnevalssitzung des Vaterstädtischen Vereins Troisdorf (VVT) im Saal Mörsch aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums. Franz Caspers als Sitzungspräsident begrüßt im Verlauf der Sitzung Karl Kuhl als „Et Schnüssge“, Willy Stugg als „Ne Beschwippste“, „Weltreporter“ Matthias Brück, „die doof Noss“ Hachenberg, Jutta Gersten, „die vier Sternenburger“ aus Bonn, „den fast unübertrefflichen Künstler“ Kurt Lauterbach und andere. Von der „doof Noss“ berichtet die Presse am 24. Januar folgendes Bonmot: „Bringen sie meinem Mann einen Eimer, ich glaube, ihm springen die Getränke aus dem Gesicht.“

„Rund 2 000 Arbeitsplätze noch immer unbesetzt“, schreibt Karlheinz Ossendorf am 6. Februar im Stadt-Anzeiger. „Mit Beginn des neuen Jahres hat sich der Arbeitsmarkt wieder stark belebt. In der Industrie hat eine ganz erhebliche Kräftefluktuation eingesetzt. Allgemein gehen die Bestrebungen der Stellenwechsler dahin, schwere Arbeiten aufzugeben und einen Arbeitsplatz mit leichteren und angenehmeren Arbeitsbedingungen bei gleich hohem oder höherem Entgelt zu suchen. Aufgrund der Fluktuation musste das Arbeitsamt Siegburg als Vermittler tätig werden. Die erhebliche Diskrepanz zwischen 2 000 offenen Stellen gegenüber rund 1000 Arbeitsuchenden konnte dadurch aber nicht verringert werden. Nach wie vor sind rund 2 000 Arbeitsplätze im Siegkreis nicht besetzt.“

Am 31. Januar berichtet die Rundschau, dass die Stadtverwaltung ab sofort bis zum 4. Februar Anmeldungen für das noch zu gründende mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium Troisdorf entgegennimmt.

Am „Auelblick“ in Oberlar wird am Samstag, dem 25. Februar, die neue Turnhalle eingeweiht. Die Gesamtkosten betragen 320 000 DM, von denen das Land 75 000 und die Dynamit-Nobel 40 000 DM bezahlen. (BILD)

Alle Zeitungen berichten am 3. März, dass in Troisdorf nur drei Parteien zur Kommunalwahl antreten: CDU, SPD und FDP. Das Zentrum hat sich der CDU angeschlossen. Der Gesamtdeutsche Block/BHE hat keine Liste eingereicht. Entgegen seiner Ankündigung nimmt auch der Gewerbeverband (Rathauspartei) nicht an der Wahl teil.

Am 18. März weiht Landesverkehrsminister Lauscher in Wahn die „mit 3,8 km Länge und 60 m Breite größte Start- und Landebahn Europas ein“, wie die Presse einhellig berichtet.

Die CDU erringt am 27. März bei der Kommunalwahl sowohl in Troisdorf als auch in Sieglar einen großen Sieg. Sie gewinnt in Troisdorf alle Direktmandate und in Sieglar 10 von 12 Stimmbezirken. Auch die Kreistagsmandate gehen alle an die CDU. In Troisdorf gewinnen Otto Jache und Dr. Günter Nöfer und in Sieglar Wilhelm Dölger und Wieland Höck.

Am Karfreitag stellen die Kolpingsöhne im Troisdorfer Wald am Ende der Birkenallee ein Kreuz auf. Sie folgen damit einer Anregung ihres Präses Kaplan Schmidt. (Anzeiger für Sieg u. Rhein vom 1. April)

Am 30. April wählt der Rat der Stadt Troisdorf Bruno Heimansberg, der das Amt schon seit 1960 innehat, erneut zum Bürgermeister. In Sieglar wird Jakob Küpper ohne Gegenstimme zum Bürgermeister gewählt. Landrat des Siegkreises wird Willi Lindlahr aus Hennef.

Am 13. April nimmt das neue Troisdorfer Gymnasium in den renovierten Räumen der „alten Schule“ Kirchstraße mit einer Sexta und einer Quinta seinen Betrieb auf. Schulleiter ist Oberstudienrat Wilhelm Walgenbach.

Bei den Rheinischen Turnmeisterschaften vom 22. Und 23. April wiederholt Sieglinde Engels vom Troisdorfer Turnverein ihren Vorjahreserfolg und wird souverän rheinische Meisterin im gymnastischen Vierkampf der Bundesklasse.

Am 4. Mai beschließt der Rat der Stadt Troisdorf mit Mehrheit den Bau einer Wanne, um den Erweiterungsbau des Rathauses an der Burg Wissem dauerhaft trocken zu halten. (BILD)

Am 15. Mai berichtet der „Anzeiger für Sieg und Rhein unter der Überschrift „50 Jahre Foto Bernauer“: „Heute kann das weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte Foto-Haus Berrnauer, Kölner Straße 55, auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Nach einem Studium der Chemie an der Universität Straßburg und dreijähriger Tätigkeit in der Staatl. Lehranstalt für Foto und Kupfertiefdruck kam Herr Bernauer 1908 nach Troisdorf. Die Siegburger „Deutsche Photographen AG“, die Erfinderin des bahnbrechenden Kupfertiefdruck-Verfahrens, sicherte sich seine Mitarbeit. 1911 gründete Herr Bernauer ein Fotoatelier auf der Hippolytusstraße (vormals Faustgasse), welches einstweilen von seiner Frau als gelernte Fotografin geführt wurde…“

Seit Wochen hat der Waldfriedhof unter einer Wildschweinplage zu leiden, bis Jäger ihnen nachts auflauern. Am 18. Mai meldet der Stadt-Anzeiger: „Auf 15 erhöht hat sich die Abschussquote an Wildschweinen auf dem Waldfriedhof… Die Jäger wollen auch in den nächsten Nächten noch Posten beziehen.

„Die Schauburg-Lichtspiele haben nach über dreißig Jahren ihre Pforten für immer geschlossen“, meldet der Anzeiger für Sieg u. Rhein am 9. Juni.

„In der gestrigen Ratssitzung wurde auf Vorschlag der CDU-Fraktion die Planung einer Festhalle bzw. Aula einstimmig beschlossen. Dr. Günter Nöfer (CDU) wies auf die Dringlichkeit dieser Planung im Hinblick auf das Fehlen geeigneter Räumlichkeiten für das kulturelle Leben in Troisdorf besonders hin“, schreibt die Rundschau am 13. Juni.

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