Was geschah vor 50 Jahren in Troisdorf?
1960

Geschrieben von Peter Haas (ab 2005: Aus dem Pressespiegel der Stadt Troisdorf)

Der Anzeiger für Sieg und Rhein schreibt am 7.1.: Nur noch der Frost fehlt, um der Jugend der Stadt Troisdorf die Freude zu bereiten, wieder an geschützter Stelle eislaufen zu können. Die Stadt hat – wie auch in den Vorjahren – den Heimbach hinter der Burg Wissem anstauen lassen und somit eine schöne Wasserfläche geschaffen, die für das Eislaufen aber noch zufrieren muss.

Am 13.1. berichtet der Stadt-Anzeiger: „Dynamit Nobel Aktiengesellschaft“ oder abgekürzt „Dynamit Nobel“ ist der neue Firmentitel der ehemaligen „Dynamit Actien-Gesellschaft vormals Alfred Nobel und Co“. Zu diesem Beschluss kam die außerordentliche Hauptversammlung des Werkes. Unter diesem Titel ist das Werk auch in das Handelsregister eingetragen.

Auf der Jubilarfeier der Dynamit Nobel im Hotel „zum Stern“ in Siegburg teilt Direktor Dr. Fischer einige statistische Daten mit: Ende 1959 hatte das Unternehmen 8757 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 34 Prozent der Belegschaft waren Frauen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent. (General-Anzeiger und Stadt-Anzeiger vom 20.1.)

Der Stadt-Anzeiger schreibt am 23.1.: Die Wahl des Gemeindedirektors von Sieglar ist ungültig. Aus formalrechtlichen Gründen ist ein zweiter geheimer Wahlgang an ein und demselben Tag nicht möglich. Bekanntlich wurde der neue Gemeindedirektor Rudolf Trum (bisher Stadtverwaltung Porz) erst im zweiten Wahlgang gewählt. § 49 der Gemeindeordnung sagt: Bei der Wahl eines Gemeindedirektors muss im Falle von Stimmengleichheit der Absatz 2 des § 32 angewandt werden. Das wiederum heißt: Wird die erforderliche Mehrheit nicht erreicht (wie das beim ersten Wahlgang mit 12:12 Stimmen der Fall war), so ist die Wahl in einer neu einzuberufenden Sitzung alsbald in der gleichen Weise zu wiederholen. Der Gemeinderat von Sieglar muss also seinen Gemeindedirektor noch einmal wählen.

Der Stadtrat erhöht den Wasserpreis um 6 Pfennige. Damit bleibt das Troisdorfer Wasser dennoch weiterhin das preiswerteste in ganz Nordrhein-Westfalen. (General-Anzeiger vom 27.1.)

In der Karnevalssitzung der Kolpingfamilie proklamiert Präsident Ferdi Neußer eine Schaufensterpuppe zum Prinzen „Hammenet dem Ersten“, da es in Troisdorf wieder einmal nicht gelang, einen Karnevalsprinzen zu finden. (General-Anzeiger vom 3.2.)

Am 6.2. berichtet die Rundschau: Bei der gestrigen außerordentlichen Sitzung des Sieglarer Gemeinderates wurde … der zweite Wahlgang der Gemeindedirektorenwahl durchgeführt, bei dem Inspektor Rudolf Trum … 17 Stimmen erhielt, während nur sieben Stimmen auf den Beigeordneten Rohlfs entfielen. Damit ist Trum zum Gemeindedirektor gewählt. Er wird dieses Amt am 1.4.1960 antreten.

Am 10.2. schreibt der Stadt-Anzeiger: „Waldcafé Haus Ravensberg besteht jetzt 30 Jahre. Als Aloys Remmel am 6. Februar 1930 das Waldcafé Haus Ravensberg eröffnete, schwebte ihm vor, kein Café im üblichen Sinne zu bieten, sondern mehr ein Erholungszentrum, ein Ausflugszentrum für die Familie. Unter diesem Gesichtspunkt wurde die Anlage gestaltet, unter diesem Motto liefen auch zahlreiche Veranstaltungen der Vorkriegszeit … Der Krieg unterbrach die günstige Entwicklung des Unternehmens. Aus dem Waldcafé wurde ein Lazarett. Nach dem Krieg übernahmen es die Besatzungstruppen. Zunächst richteten die Amerikaner einen Offiziersklub ein. Die Engländer und dann die Belgier taten es ihnen nach. Erst 1955 wurde das beliebte Haus wieder frei. Schwiegersohn Peter Esch und seine Frau übernahmen die Gastwirtschaft, renovierten sie und gaben ihr wieder Ansehen und Glanz.“

„Die finnische Fluggesellschaft „Finnair“ eröffnet am 1. April die Strecke Köln-Helsinki über Kopenhagen mit dem Caravelle-Flugzeug. Gleichzeitig ist das die Düsenpremiere des Köln-Bonner Flughafens.“ (Rundschau vom 24.3.)

Beherrschendes Thema der ersten Hälfte des Jahres 1960 sind die Folgen der Vergrößerung des Flughafens Köln/Bonn. Am 15. Februar wird in einem ersten Schritt die alte Kölner Straße zwischen Altenrath und Grengel gesperrt, da dort die Querwindbahn gebaut wird. Zwar sind sich Bund, Land, Flughafenverwaltung und die belgischen Streitkräfte einig, dass eine Ersatzstraße gebaut wird, aber das kann erst ab 1961 geschehen. Bis dahin müssen die bisherigen Benutzer der Straße einen Umweg von 20 km fahren. (Bericht der Rundschau vom 15.2.) Da durch die Vergrößerung des Flughafens der Truppenübungsplatz erheblich verkleinert wurde, fordern die Belgier Ersatz für ihre Panzerpiste. Diese Piste ist im Süden der Heide am Hang des Fliegenbergs von der Altenrather Straße zum Röhrichtsiefen bis an die Agger geplant. Die Rodungsarbeiten beginnen ebenfalls im Februar. Als der Stadtrat im März erfährt, dass außerdem am Stand 11 eine Raketenbasis und wenige Kilometer westlich davon Munitionsbunker errichtet werden sollen, ist die Empörung einhellig und gewaltig. Selbst die versammelte Lehrerschaft von Sieglar schreibt eine Protestnote gegen den Waldfrevel. Da steht der Troisdorfer Stadtrat nicht zurück. Er beschließt im April eine Protestresolution (Anzeiger für Sieg und Rhein vom 20.4.) an die höchsten Gremien des Bundes, nachdem Wochen zuvor der Stadt-Anzeiger in einer Schlagzeile gefragt hat: „Rollen Panzer bald bis vor die Tore der Stadt?“ (Stadt-Anzeiger vom 26.2.) und die Rundschau (ebenfalls am 26.2.) gedroht hat: „Panzer rücken gegen Troisdorf.“ (Im Jahre 2009 werden Fachleute den Waldfrevel am Fliegenberg „Naturschutzgebiet Fliegenbergheide“ nennen.)

Nachdem der Werkchor der Dynamit Nobel zweimal erfolgreich in der Bonner Beethovenhalle konzertiert hat, wollen die traditionsreichen Troisdorfer Cäcilianer, die eben ihr 100. Stiftungsfest gefeiert haben, nicht nachstehen. Gemeinsam mit dem Schubertbund Bonn unter beider Chorleiter Heinzpeter Stöcker und mit dem Solisten Josef Metternich absolvieren auch sie – am 2. April – mit großem Anklang ein Konzert in der Beethovenhalle. (Rundschau und Stadt-Anzeiger vom 5.4.)

Am 4. April stirbt Josef Hoff, Gründer des Autohauses VW-Hoff. Alle Zeitungen würdigen in den folgenden Tagen sein segensreiches Wirken als Brudermeister der Schützenbruderschaft Sankt Sebastianus und seinen langjährigen Einsatz insbesondere für die Lehrlingsausbildung im KFZ-Handwerk.

Ab dem Monat Mai erhalten die Arbeiter wie schon zuvor die Angestellten bei Klöckner-Mannstaedt keine Lohntüte mehr. Das Geld wird an jedem 10. des Monats auf ihr Konto überwiesen.

Anfang Mai erhält der Rat der Stadt Troisdorf vom Bundesfinanzminister eine Antwort auf seine Resolution zu den Vorgängen in der Heide. Dazu schreibt der General-Anzeiger am 4. Mai: „ … Im Truppenübungsvertrag steht, wie aus dem Schreiben des Bundesfinanzministers hervorgeht: „Die belgischen Militärbehörden dürfen sich ohne Befragung deutscher Stellen das ihnen passende Gelände nehmen, wenn sie auf ihrem bisherigen Gelände eingeengt werden sollten.“ Der Minister schrieb weiter, dass man es als ein Entgegenkommen der Belgier ansehen könne, dass sie die Geländeausweitung nur im Einvernehmen mit deutschen Stellen überlegt hätten… Ursprünglich hätten die Belgier nur 200 ha gewollt, es seien aber aus Sicherheitsgründen 400 ha geworden… Der Troisdorfer Stadtrat entschloss sich, eine weitere Stellungnahme reiflich zu überlegen…“

Die Rundschau berichtet am 6.5.: „Die Amtsvertretung in Lüdinghausen, Westfalen, wählte am gestrigen Donnerstag in einer öffentlichen Sitzung den Bürgermeister der Stadt Troisdorf, Assessor Peter Bröhl, zum Amtsdirektor für die Dauer von 12 Jahren.“

Schach-Großmeister Lothar Schmidt spielt im Troisdorfer Hof simultan gegen die 37 besten Schachspieler des Siegkreises. Er gewinnt 26 Partien, verliert vier und spielt siebenmal unentschieden, wie der General-Anzeiger und der Stadt-Anzeiger am 10.5. berichten.

Peter Heuser, seit 1948 Pfarrer an Sankt Hippolytus, wird mit Wirkung vom 10. Mai von Kardinal Frings als Nachfolger von Ludwig Wirtz zum Dechant des Dekanats Troisdorf berufen. (Rundschau vom 13.5.)

Am 17. Mai berichtet der General-Anzeiger über ein glanzvolles Konzert des Männergesangvereins Friedrich-Wilhelms-Hütte mit dem aus Funk und Fernsehen bekannten Kenneth Spencer als Solist im Kasino der Klöckner-Mannstaedt-Werke.

Am 21. Und 22. Mai feiert der Troisdorfer Männergesangverein (später Troisdorfer Männerchor) sein 50-jähriges Jubiläum. Dazu schreibt der Stadt-Anzeiger am 24.5.: „Der MGV steht wieder ganz oben.“ Die Festansprache hält Realschuldirektor Dr. Pütz. Dirigent des MGV ist seit zehn Jahren Heinz Königshausen. Vorsitzender Peter Lindlar erinnert in seiner Begrüßungsrede im Namen aller kulturtreibenden Vereine daran, dass „in Troisdorf eine Festhalle als würdige Pflegestätte der Kultur“ fehle. (Rundschau vom 24.5.)

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der freiwilligen Feuerwehr Sieglar findet am Samstag, dem 18. Juni, ein Festakt im Saal Schumacher statt. Dabei werden unter anderem 12 Männer für ihre 50-jährige Mitgliedschaft geehrt: Franz Bargon, Peter Bornheim, Christian Engelskirchen, Franz Klein, Karl Kurscheidt, Hermann Linden, Ludwig Mertens, Jakob Offermann, Heinrich Over, Jakob Schmitz, Wilhelm Schmitz und Gregor Stannartz. Am Sonntag findet aus demselben Anlass der Kreisfeuerwehrtag in Sieglar statt. Über das Ereignis berichten alle Tageszeitungen am 20. und 21.6 ausführlich.

Am 25.6. berichtet die Rundschau über den bunten Abend der Theatergemeinde mit Kräften der Bonner Oper im Saal Thiesen. Den größten Beifall erhielten demnach Kapellmeister Heribert Beißel und die Prima Ballerina Tamara Pilossian.

Dr. Günter Nöfer, Sprecher der CDU-Fraktion, und Bruno Heimansberg, Sprecher der Zentrumsfraktion, teilen der Presse mit, dass beide Fraktionen im Rat der Stadt Troisdorf eine Arbeitsgemeinschaft eingegangen sind. Dies wird als erster Schritt eines Zusammenschlusses beider Parteien angesehen, wie Joseph Möller vom Anzeiger für Sieg und Rhein am 28.6. meint.

Peter Bröhl, von 1954 bis 58 Fraktionsvorsitzender der CDU im Troisdorfer Stadtrat und seit 1958 Bürgermeister, tritt zum 1. Juli die Stelle des Stadtdirektors von Lüdinghausen an.

Am 2. Juli berichtet die Siegkreis-Rundschau: Die Stadtvertretung von Troisdorf hat beschlossen, Abt Ildefons Dr. Schulte-Strathaus zu seinem 25-jährigen Abtjubiläum eine Ehrengabe von 500 DM für die Abtei zu überreichen.

Der Anzeiger für Sieg und Rhein schreibt am 9. Juli: Die Altenrather Straße, die sich zwischen Heerstraße und Panzerstraße bisher in einem kaum zu beschreibenden, schlechten Zustand befand, ist nunmehr ausgebaut und mit einer Teerdecke versehen worden.

Am 13. Juli veranstaltet die Troisdorfer Theatergemeinde unter der Leitung von Paul Pick im Park des Waldcafés ein Serenadenkonzert. Das Rheinische Kammerorchester Köln, Dirigent Edgar Seipenbusch, spielt Werke von Mozart, Boccherini und Britten.

Harald Feuerherm von der Leichtathletikabteilung des SSV 05 Troisdorf wird am 16. Juli bei den Leichtathletikmeisterschaften in Oberhausen westdeutscher Juniorenmeister über 400 Meter in der Zeit von 49,2 sec.

Sieglinde Engels siegt am 24. Juli beim Rheinischen Landesturnfest in Rheydt im Gymnastik Vierkampf.

Am 17. August berichtet der General Anzeiger: Die Bundespost hat damit begonnen, der Stadt Troisdorf ein automatisches Selbstwählamt für den Telefonverkehr zu geben. Schräg gegenüber der Schule Viktoriastraße wird der Neubau geschaffen, in dem das automatische Selbstwählamt untergebracht wird. Die „Fräuleins vom Amt“, die Zurzeit noch die gewünschten Telefonverbindungen vermitteln, werden sich also nach einer anderen Beschäftigung umsehen müssen.

Dr. Hans-Hero Vosgerau, kaufmännischer Direktor der Klöckner-Mannstaedt-Werke und Präsident der Industrie- und Handelskammer Bonn, begeht am 24. August seinen 60. Geburtstag. Alle Zeitungen berichten fast gleichlautend: In den elf Jahren, in denen er die kaufmännische Leitung hat, konnte das Werk einen beachtlichen Aufstieg erleben

„„Jonas“ in Troisdorf“, schreibt der Stadt-Anzeiger am 27. August.  „Am Montag, dem 29. August, kann das „größte Tier der Welt“ von 10 bis 22 Uhr besichtigt werden. Der Wal steht auf einem Tieflader auf dem Pfarrer-Kenntemich-Platz. Nicht der Herr – wie durch einen Druckfehler in unserer Freitagsausgabe zu lesen war – sondern das Herz des Wales wog zehn Zentner.“

Heinrich Rauhfuß, soeben mit 26 Jahren jüngster Schützenkönig der Schützenbruderschaft St. Sebastianus geworden, wird am 28. August Bezirksschützenkönig.

Am 2. September schreibt die Rundschau: „Die neue Anlage mit dem Kinderspielplatz an der Burg Wissem hat nicht nur regen Zuspruch bei Kindern und Müttern gefunden, sondern hat der Stadtvertretung und –verwaltung auch Dank und Anerkennung eingebracht, die eine Mutter für viele in einem kleinen Gedicht ausgesprochen hat.“

Der Anzeiger für Sieg und Rhein berichtet am 2. September: „In einer sehr gut besuchten Versammlung wurden gestern Abend im Lokal Simm (Canisiushaus) die eingesandten Vorschläge für das Motto des Rosenmontagszuges bekannt gegeben. Mit Stimmenmehrheit entschieden sich die Anwesenden für das von H. Naujoks, Siegburg, vorgeschlagene Motto „Wat mir all han“. (Auf derselben Sitzung wurde beschlossen, „den Rosenmontagszug auf den Sonntag zu verlegen“, wie die Rundschau am 3. September schrieb.)

Am 22. September werden in einem Bericht der Rundschau die Sieglarer „Gemeindeväter“ mit Lob überhäuft. Die schulfreudigste Gemeinde im Siegkreis sei Sieglar, lobt Schulrat Dr. Römer als Vertreter des Regierungspräsidenten. Er zeigt sich wie die anderen Gäste von dem schönen und zweckmäßigen Neubau der Schule in Bergheim sehr beeindruckt.

„Fünf Klassen werden von katholischen und eine Klasse von evangelischen Kindern genutzt. Weiter gibt es ein Physik- und Lichtbildzimmer, einen Werkraum, ein Arztzimmer, Lehrerzimmer für beide Konfessionen und einen Konferenzraum. Das Prunkstück der Schule aber ist die vorbildlich eingerichtete Lehrküche.“ Weiter schreibt die Rundschau: „Mit berechtigtem Stolz weist Bürgermeister Dresbach darauf hin, dass man bis jetzt 21 Mio. DM verbaut habe. Landrat Buchholz spricht den Dank des Kreises dafür aus, dass man in Bergheim so Vorbildliches für die Jugend getan habe, denn die Schule sei die Keimzelle einer wahren Demokratie.

Hauptlehrer Brodeßer für Bergheims katholisches System, Lehrer Fischer für den evangelischen Teil der Schule und Hauptlehrer Baumann für Müllekoven danken für das Geschenk, das man der Jugend hier gemacht habe. Nach den Geistlichen beider Konfessionen dankt als Letzter Ortsvorsteher Boss. Anschließend besichtigt man die erweiterte und renovierte Schule in Müllekoven.“

Nur vier Räume stehen den sechs Schulklassen der Martin-Luther-Schule in Oberlar zur Verfügung, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger am 28. September. Deshalb werden die Kinder jetzt in Kurzstunden unterrichtet, um Schichtunterricht zu vermeiden.

Im September prüft die Gemeinde Sieglar die Gründung eines Zweckverbandes mit Troisdorf zur Errichtung einer Sonderschule. Am 11. Oktober berichtet der General-Anzeiger von einer Sitzung des Sieglarer Gemeinderats, in der Bürgermeister Dresbach und Ratsmitglied Beu gleichlautend sagen, die Frage einer gemeinsamen Sonderschule sei geprüft worden. Im Ergebnis habe man feststellen müssen, dass es auch zusammen mit Troisdorf an der nötigen Schülerzahl fehle. Schließlich schreibt der General-Anzeiger nicht ohne Spott: „Danach gab sich der Gemeinderat aber schnell der Kirmesstimmung hin, wobei sich die Fraktionen der CDU und SPD angesichts der kommenden Kommunalwahl in ihrer Geberfreudigkeit – für das katholische Jugendheim Oberlar, den Troisdorfer Schwimmverein, MGV Liederkranz, die Deutsche Jugend des Ostens, die Kaninchenausstellung in Mondorf, das Stiftungsfest des Tambourkorps Spich – überboten.“

Josef Möller schreibt am 7. Oktober im Anzeiger für Sieg und Rhein: „Am 10. Oktober vollendet Direktor Dipl.-Ing. Heinrich Osing, der technische Leiter der Klöckner-Mannstaedt-Werke, sein 60. Lebensjahr. Er war als Walzwerker zuerst in der Georgsmarienhütte und seit 1939 im Spezialprofilwalzwerk in Troisdorf tätig. Hier hat er die Entwicklung der Spezialprofile als Walzwerkchef in besonderem Maße vorangetrieben. 1953 wurde ihm die technische Leitung der Klöckner-Mannstaedt-Werke übertragen.“

Am 10. Oktober schreibt der Generalanzeiger: „Die Stadt Troisdorf soll die endgültige Bebauung des Wilhelm-Hamacher-Platzes nicht abwarten, hat der Bauausschuss bei einer Ortsbesichtigung empfohlen. Das Bauamt soll sofort einen Plan ausarbeiten, in dem festgelegt wird, wie die Missstände, die sich auf dem Platz breit gemacht haben, beseitigt werden können. Es soll eine öffentliche Bedürfnisanstalt eingeplant werden. Geld für die vorgesehenen Maßnahmen sind noch im Etat vorhanden.“

Der Anzeiger für Sieg und Rhein schreibt am 10. Oktober: „In Darmstadt ist am 29. September der frühere Kreisleiter des Siegkreises, Hermann Thiel (48 Jahre), festgenommen worden. Er steht unter dem Verdacht, sich 1945 der erfolglosen Anstiftung zum Mord schuldig gemacht zu haben. Wie das Landgericht Bonn mitteilt, soll Thiel kurz vor dem Einmarsch der alliierten Truppen am Kriegsende den Befehl gegeben haben, die politischen Häftlinge der Anstalt zu töten. Dem Vorstand des Siegburger Zuchthauses, Heider, und seinem Vertreter Hoffmann, der jetzt Leiter der Bonner Haftanstalt ist, gelang es, Thiels Anordnung hinauszuzögern, bis die Alliierten in Siegburg einzogen.

Nach dem Weggang des Troisdorfer Bürgermeisters Peter Bröhl nach Lüdinghausen wollte der Rat der Stadt Troisdorf die Zeit bis zur vorgesehenen Kommunalwahl im Oktober ohne Neubesetzung überbrücken. Die Kommunalwahl wurde verschoben; da ein neuer Termin für die Wahl noch nicht bekannt war, legte die Stadt auf Geheiß der Gemeindeaufsicht den 20. Oktober als Termin für die Wahl des Bürgermeisters fest. So kann der General-Anzeiger am 21. Oktober als erste Zeitung melden: „Der Stadtrat wählte auf seiner gestrigen Sitzung den bisherigen stellvertretenden Bürgermeister Bruno Heimansberg (Zentrum) zum Ersten Bürgermeister. Zum stellvertretenden Bürgermeister wurde Stadtvertreter Franz Rödder (CDU) gewählt.

Am 30. November berichtet der General-Anzeiger, dass die Gemeinde Sieglar plant, der Dynamit AG den Schirmhof abzukaufen, da mit Ablauf des Jahres 1960 der Pachtvertrag ausläuft.

„Die Stadt hat zwar mit dem Verwaltungsgebäude der Dynamit-Nobel AG bereits ein beachtliches Hochhaus (das erste im Siegkreis), nun aber hat sie auch ein Wohnhaus bekommen, das über das bisher übliche Maß hinausgeht. Die Dynamit-Nobel hat an der Ecke Paul- und Emil-Müller-Straße ein fünfgeschossiges Wohnhaus errichten lassen, das beim Richtfest als das „größte Wohnhaus Troisdorfs“ bezeichnet wurde.“ Dies berichtet der General-Anzeiger am 28.12.

„Mit der Arbeit des bisherigen Stadtrats nicht zufrieden“, lautet eine Schlagzeile des Stadt-Anzeigers am 29. Dezember. „Eine Bürgerliste für die kommenden Kommunalwahlen aufzustellen, beschloss die Generalversammlung des Gewerbeverbandes einstimmig. Die Liste wurde mit der allgemeinen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Arbeit der Parteien begründet. Die Versammlung wählte folgenden neuen Vorstand: I. Vorsitzender Wilhelm Pütz, II. Vorsitzender Josef Mimzeck, Kassierer Karl-Ludwig Muss-Waldorf, Schriftführer August Schmitz, Beisitzer Theo Weber und Rudolf Polster.

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