Was geschah vor 50 Jahren in Troisdorf?
1958

Geschrieben von Peter Haas (ab 2005: Aus dem Pressespiegel der Stadt Troisdorf)

Anlässlich der Ehrung der Jubilare der DAG äußert sich Direktor Dr. Fischer auch zur wirtschaftlichen Lage des Werks. Danach beträgt die Umsatzsteigerung in der Kunststoff-Fabrikation 11,3 Prozent, in der Zünderfabrikation 14,4 Prozent. Die Belegschaft stieg um 9 Prozent auf nunmehr 8223 Personen. (NRZ vom 7.1.58)

Die Stadt wird auch in diesem Jahr keinen Rosenmontagszug erleben. Troisdorf wird damit schon das zweite Jahr auf einen eigenen Rosenmontagszug verzichten müssen. „Wenn kein Rosenmontagszug zustande kommt, küren wir auch keinen Prinzen“, das ist die abschließende Stellungnahme des Komitees, berichtet der KSTA am 13.Januar.

Mitte Januar verabschiedet sich Kaplan Karl Wilhelm Cremer von St. Hippolytus, um Pfarrer in Oberlar zu werden.

Mit der Auflösung des Anwesens der Geschwister Hoff in der Taubengasse geht ein Zweig des starken Bauerngeschechts Hoff der Landwirtschaft verloren. Bis zuletzt wurden die auf 60 Morgen zusammengeschrumpften Äcker bewirtschaftet. Dieses Land soll jetzt unter die restlichen acht Landwirte der Stadt aufgeteilt werden. (KSTA vom 23.1.)

Nach dem Abzug der letzten Engländer im Vorjahr berichtet der KSTA am 1.April: „Die Bemühungen verschiedener Kreise in Troisdorf und Sieglar, die ehemalige englische Kirche (neben dem Troisdorfer Krankenhaus) in den Besitz der Stadt oder der Gemeinde Sieglar zu bringen, sind gescheitert. Die Bundeswehr hat das Gebäude übernommen. Sie lässt es zur Zeit kunstgerecht zerlegen und will es … in Wahn wieder aufbauen.

Übereinstimmend berichten die in Troisdorf erscheinenden Zeitungen am 5.März aus der letzten Sitzung des Stadtrats: Der Gemüsemarkt muss weichen – Durch die Ausdehnung der Bautätigkeit an der Hippolytusstraße auf den kleinen Markt (Haus Dölling), auf dem bisher der Gemüsemarkt abgehalten wurde, war der Stadtrat gezwungen, sich mit der Frage zu befassen: Wohin mit dem Gemüsemarkt. Der Vorschlag, den Schulhof Kirchstraße zu wählen, wo demnächst der Schulbetrieb ganz aufhören wird, wurde abgelehnt … Der Vorschlag Pfarrer-Kenntemich-Platz, der nach den Plänen der Stadt Stadtmittelpunkt und Marktplatz werden sollte, wurde abgelehnt, weil man meinte, er habe bei der Bevölkerung keine Sympathie. Schließlich einigte man sich, den Gemüsemarkt auf dem Parkplatz Wilhelmstraße Ecke Poststraße abzuhalten, wo früher der Saal des „Deutschen Hauses“ stand.“

Ausschnitte aus dem Jubiläumskonzert des Werkchores der DAG im Gürzenich sind am Samstag, dem 8.3., ab 15.30 Uhr auf der Mittelwelle des WDR zu hören.

Die Hütter sind empört. Rowdies haben in den letzten Nächten 19 der jungen Bäume an der Mendener Straße umgeknickt. Um die jungen Bäume zu schützen, hatte die Gemeinde um jeden Baum einen Schutz angebracht. Trotzdem ist jetzt ein Großteil vernichtet. Die Bürger sind den Tätern auf der Spur. (Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (KSTA) vom 7.3.)

Die seit zwei Jahren bestehende Jugendmusikschule wird ihre Tätigkeit einstellen, da der bisherige ehrenamtliche Betreuer, Musiklehrer Siebertz, Troisdorf verlässt und kein Nachfolger für ihn gefunden werden konnte. (Generalanzeiger vom 12.3.)

Die Troisdorfer Raiffeisenbank, die am 10.Januar 60 Jahre bestand, hat sich auch im vergangenen Jahr beachtlich entwickelt, gibt Rechtsanwalt Nussbaum als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Thiesen bekannt. Man dürfe erwarten, dass sie in diesem Jahre die Zehn-Millionen-Grenze im Umsatz erreichen werde. (Generalanzeiger vom 12.3.)

Hermann Richarz, Pfarrer von St. Georg in Altenrath, wird am 12.März zum Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Bendermacher von St. Gerhard in Troisdorf berufen.

Sprecher aller Fraktionen auf der Sitzung des Troisdorfer Stadtrats vom 18.3. loben den Entwurf des Troisdorfer Bildhauers Fehlinger für die Friedhofskapelle, eine St.-Georgs-Figur, einhellig als „künstlerisch vollendete Leistung“. Dennoch entscheiden sie sich für ein einfaches Kreuz als Abschluss auf dem Dach der Kapelle. Mit dieser Arbeit wird Fehlinger betraut.

Bis zuletzt war Altenrath als Standort für das geplante Rheinische Freilichtmuseum im Rennen. Am 28.März entscheidet sich die Landschaftsversammlung für Kommern.

Ende Mai sind 40 Mädchen und Jungen des Troisdorfer Kinderchors elf Tage zu Besuch in England. Sie geben fünf Konzerte, in Ipswich, Watford und drei in London. In der deutschen Botschaft werden sie empfangen und bewirtet. Über die Pfingsttage sind sie in englischen Gastfamilien untergebracht. Sie erwidern damit den Besuch eines Londoner Kinderchors vom März des Jahres.

Von Samstag, dem 21.Juni, bis Samstag, dem 28.Juni, begeht der Männergesangverein Cäcilia Troisdorf, der älteste Männerchor der unteren Sieg, sein 100-jähriges Jubiläum. Die Feiern klingen aus mit einer Dampferfahrt nach Braubach.

In Verbindung mit dem Vaterstädtischen Verein Troisdorf bringt die Theatergemeinde am Donnerstag, dem 3. Juli, Goldonis „Diener zweier Herren“ als Freilichtaufführung vor der Burg Wissem.

Bei der Landtagswahl am 6. Juli erringt die CDU einen großen Erfolg. Begünstigt durch das Nichtantreten des Zentrums im Troisdorfer Stadtgebiet, erhält die CDU dort 60 % der Stimmen.

Etwa 1000 Personen beteiligen sich am Sonntag, dem 13. Juli, an einer Wallfahrt per Sonderzug von Troisdorf nach Kevelaer.

Vom 29. bis 30. Juli gastiert der Berliner Zirkus Busch auf dem Pfarrer-Kenntemich-Platz. Sein Zelt fasst 1000 Zuschauer.

Am 28. Juli titelt das Handelsblatt: „Flick geht in die Kunststoffverarbeitung.“ „Es handelt sich dabei um 15,96 % des Aktienkapitals der Dynamit AG. Die Flick-Gruppe ist damit der dritte Großaktionär der Dynamit AG geworden, an der die Rheinischen Stahlwerke und die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon, Bürle & Co bereits seit längerer Zeit mit je etwa 32 % beteiligt sind. In freundschaftlichem Einvernehmen hat Dr. Friedrich Flick den Vorsitz im Aufsichtsrat der Dynamit AG übernommen.“

Anfang September bezieht die katholische Volksschule Lohmarer Straße ihren zweiten Bauabschnitt. Damit hat die „alte Schule“ an der Kirchstraße ausgedient. Sie steht leer und wartet auf eine neue Bestimmung.

Am 3. September berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger unter der Überschrift „Zur Zeit nicht mehr aktuell“ vom Scheitern der Gespräche zwischen Sieglarer und Troisdorfer Ratsvertretern über die Zusammenlegung beider Gemeinden. Der Beitrag endet mit einer Einschätzung der Lage: „Ein Gesichtspunkt gibt allerdings noch zu denken. Die Gemeindeverwaltung in Sieglar betreibt ebenso wie die Stadtverwaltung in Troisdorf Baupläne für die Erweiterung des Rathauses. Die weitsichtigen Kommunalvertreter fragen sich, ob diese Bauten sich noch bezahlt machen. Es herrscht sowohl in Sieglar als auch in Troisdorf Klarheit darüber, dass sich auf die Dauer Zusammenschlüsse nicht vermeiden lassen. Die Zukunft, da diese Frage spruchreif wird, scheint aber noch nicht angebrochen zu sein.

Am 17. September berichtet der General-Anzeiger: „Drei Morgen Rasen vor Burg Wissem. Troisdorf umgab sein Rathaus mit einem Kranz gärtnerischer Anlagen. Die Stadt Troisdorf hat das vom örtlichen Verkehrsverein geprägte Werbewort von der „Stadt im Grünen“ wahr gemacht, zumindest im Bereich des Rathauses in Burg Wissem. Das Rathaus steht nun inmitten einer gärtnerischen Anlage, die insgesamt drei Morgen Rasenflächen umfasst. Jenseits des Burggrabens soll auch noch ein Kinderspielplatz entstehen.“

Nachdem das hygienische Institut der Universität Bonn an vier Stellen in Sieg und Agger Wasser entnommen und untersucht hat, lautet am 19. September das Ergebnis: „Zum Baden ungeeignet.“

Eine stolze Bilanz zieht die Troisdorfer Wohnungsbaugenossenschaft anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens: Seit 1918 baute sie 1035 Mietwohnungen und 200 Eigenheime. Das größte Bauprojekt waren die 114 Wohnungen, die am Hofweiher erstellt wurden.

Mit einem Konzert in der Kongresshalle der Deutzer Messe feiert Willi Schell aus Bergheim am 25. Oktober den 50. Jahrestag als Chorleiter gemeinsam mit seinen sieben Chören. Als sein größtes Erlebnis bezeichnet er seinen Besuch mit dem Werkchor der D.A.G. beim Papst in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo.

In einer kurzen Feier, die anschließend von mehreren Ratsmitgliedern wegen ihrer Schlichtheit kritisiert wird, übergibt Bürgermeister Kitz die Kapelle und Leichenhalle auf dem Waldfriedhof ihrer Bestimmung.

In seiner Novembersitzung wählt der Sieglarer Gemeinderat in geheimer Wahl den von der SPD und dem Zentrum vorgeschlagenen bisherigen Bürgermeister Dresbach für die zwei letzten Jahre der Wahlperiode mit 13 Stimmen wieder. Der CDU-Kandidat Baum erhält 11 Stimmen und wird stellvertretender Bürgermeister. Erstmals wird mit Josef Schäfer, SPD, ein weiterer Stellvertreter gewählt.

Am 9. November feiern etwa 70 Frauen und Männer gemeinsam mit Superintendent Klocke erstmalig in Troisdorf ihre Jubelkonfirmation. Sie waren zwischen 1904 und 1908 die ersten Troisdorfer Konfirmanden.

Der Kreistag wählt Peter Etzenbach, CDU, erneut zum Landrat.

In Troisdorf wird am 20. November der bisher amtierende Bürgermeister Josef Kitz, SPD, abgewählt. Neuer Bürgermeister wird Peter Bröhl, CDU. Stellvertreter wird Bruno Heimansberg, Zentrum, da die SPD keinen eigenen Kandidaten nominiert hat.

Am Freitag, dem 12.12., feiert das älteste Troisdorfer Kino, Litro, nach gründlicher Renovierung Neueröffnung. Das Kino wurde 1920 als „Kronprinzen-Lichtspiele“ eröffnet und im 2. Weltkrieg zerstört. Nach dem Wiederaufbau begann 1948 wieder der Spielbetrieb.

Wegen der zunehmenden Elektrifizierung wird die Bundesbahnbetriebsschule Troisdorf in Oberlar nach München die zweite Schule der Bundesrepublik, in der Führer von Dampflokomotiven in dreiwöchigen Kursen zu E-Lok-Führern umgeschult werden.

Die NRW-Landesregierung beschließt im Dezember den Ausbau des Flughafens in Wahn zum interkontinentalen Düsenflughafen.

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