Was geschah vor 50 Jahren in Troisdorf?
1957

Geschrieben von Peter Haas (ab 2005: Aus dem Pressespiegel der Stadt Troisdorf)

Am 5.1. meldet der General-Anzeiger: „Die Dynamit-AG hat der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Troisdorf 900 000 DM zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe dieses Geldes sollen 30 Mietwohnungen gebaut werden, für die das Werk das Einweisungsrecht bekommt. Das Bauvorhaben wird an der projektierten Straße zwischen Siebengebirgsallee und Bachstraße, die den Namen Drachenfelsstraße bekommen wird, durchgeführt.

Am 7.1. schreibt Karlheinz Ossendorf vom Kölner Stadt-Anzeiger: „Nach unfreiwilliger Schlecht-Wetter-Pause werden die Arbeiten an der Pfarrkirche St. Gerhard wieder aufgenommen. Die Unternehmer wollen das Werk schnell unter Dach bringen.“

Die Frisöre aus Troisdorf und Oberlar beschließen, dem Beispiel der Nachbarorte zu folgen und ab 7.1. montags zu schließen.

Fräulein (!) Änne Bermann begeht am 1.2. ihr „silbernes Ortsjubiläum in Troisdorf“, wie der Generalanzeiger schreibt. Sie ist außerdem seit 40 Jahren im Schuldienst an den Schulen Blücherstraße, Schlossstraße und schließlich Kirchstraße.

Am 25.2. berichtet der General-Anzeiger: „Vor wenigen Ehrengästen beging die Gerhardspfarrei das Richtfest. Der vom hohen First der Kirche grüßende Richtbaum dokumentierte die schnelle Entwicklung des Baues, der am 24. Juni 1956 mit dem ersten Spatenstich begonnen, am 9. September mit der Grundsteinlegung weitergeführt und nun schon unter Dach und Fach gebracht werden konnte.“

Der Kölner Stadt-Anzeiger meint kurz vor Karneval: „Es sei beschämend, dass Troisdorf nicht die notwendigen Kräfte aufbringe, um einen Rosenmontagszug zu organisieren.“ Stattdessen finden nur Züge in der „Roten Kolonie“ und im Oberdorf statt.

Der Rat der Stadt Troisdorf beschließt am 27. Februar einstimmig eine Resolution zur Beseitigung der unfallträchtigen Straßenbahn auf der verkehrsreichen B8.

Am 1. März findet man in den Zeitungen folgende Annonce: „Und Sonntag? Im Waldcafé Haus Ravensberg ab 16 Uhr Konzert u. Tanz“

Der Rat der Stadt Troisdorf beschließt am 27. Februar den Bau einer neuen Friedhofskapelle auf dem Waldfriedhof.

Um der Siebengebirgsallee den Charakter einer Allee zu geben, lässt die Stadt auf den Bürgersteigen Bäume anpflanzen, berichtet der Siegkreis-Anzeiger am 15.3.

Der General-Anzeiger berichtet am 20.3.: „Die bisher von der Troisdorfer evangelischen Gemeinde abhängige Gemeinde Niederkassel soll zum 1. April zur selbständigen Pfarrgemeinde erhoben werden, nachdem die evangelische Gemeinde immer mehr gewachsen ist und seit einiger Zeit auch über ein eigenes Gotteshaus verfügt.“

„Das ständige Anwachsen der Troisdorfer evangelischen Gemeinde hat es erforderlich gemacht, die bisher im evangelischen Gemeindehaus untergebrachte Gaststätte („blauer Engel“) zu schließen und den Raum in das Gemeindehaus einzubeziehen“, berichtet die Rundschau am 21.3.

Am 28. März überträgt der WDR ein Konzert vom Werkchor der Dynamit-AG unter der Leitung von Musikdirektor Willi Schell mit Liedern von Mendelssohn, Weber und Schumann.

Die Ortschaften der Gemeinde Sieglar werden heller. Alle Haupt- und Nebenstraßen erhalten in den nächsten beiden Jahren Neonbeleuchtung, beschließt der Sieglarer Gemeinderat auf seiner März-Sitzung.

Bei der Dynamit-AG wird ab 1. Mai nur noch 45 Stunden in der Woche gearbeitet … Bemerkenswert ist, dass das Werk jedem Rentner ein halbes Jahr lang noch das volle Gehalt zahlt.

Am Freitag, dem 26. April, wird der Neubau der katholischen Volksschule an der Lohmarer Straße seiner Bestimmung übergeben. In Vertretung des verhinderten Bürgermeisters Kitz begrüßt der stellv. Bürgermeister Heimansberg als Ehrengäste u. a. die Pfarrer Bendermacher und Heuser, Superintendent Klocke und die Leiter der Troisdorfer Schulen.In Vertretung des Landrats überreicht Dr. Fischenich ein Bild der Wahner Heide.

Der Werkchor der Dynamit-AG wirkt am 1. Mai an der Fernsehsendung „Unter dem Maibaum“ des WDR mit.

Am 4. Mai schreibt der General-Anzeiger: „Vor 50 Jahren noch Heide.

Troisdorf: Interessante Erinnerungen gab es bei einem Treffen der ehemaligen Mitglieder des im Jahre 1907 gegründeten Troisdorfer Faustball-Klubs anlässlich des 50. Jahrestags seiner Gründung. Die heute noch lebenden Mitglieder kramten anlässlich einer Fahrt ins Blaue ihre Erinnerungen hervor. Der Verein betrieb seinen Sport auf einem Sandplatz zwischen der evangelischen Kirche und dem Bahnhof, wo heute alles dicht bebaut ist und niemand mehr ahnt, dass dort vor 50 Jahren alles Heide war – mit Sand, Ginster und Erika. Die Wahner Heide, die heute erst hinter den Betriebsflächen der Dynamit AG beginnt, erstreckte sich damals noch bis an die Bahn.“

„DAG produziert eine neue Kunststoff-Faser“, schreibt der General-Anzeiger am 4. Mai und fährt fort: „Die Dynamit-AG hat eine neue Kunstfaser entwickelt. „Trofil“ wurde auf der Industriemesse in Hannover erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Die Vorteile der neuen Faser: Sie ist säure- und laugenfest. Sie hat ein niedriges spezifisches Gewicht und eine Zugfestigkeit wie Stahl. Die ersten Erzeugnisse aus Trofil, die auf dem 140 qm großen Stand gezeigt wurden, fanden viel Beachtung. Auch Bundeswirtschaftsminister Erhard besuchte den Stand und äußerte seine Überraschung über die Vielfältigkeit des Produktionsprogramms. Er interessierte sich vor allem für die Exportmöglichkeiten von Ultrapas, das vor allem für den Innenausbau von Krankenhäusern verwandt wird, aber auch für Tische, Bars, Hotelhallen, Läden und sanitäre Anlagen.

Im Verlauf des Mai wird das von den britischen Truppen seit zwölf Jahren beschlagnahmte Gebiet zwischen Schlossstraße und Friedensstraße mit allen Aufbauten einschließlich der britischen Kirche freigegeben. Die Engländer hatten dort eine Schule, einen Kinderhort, eine Klinik, Versammlungsräume und die Kirche. Das Gotteshaus wurde von ihnen erbaut, während die übrigen Gebäude in ihren Grundzügen vorhanden waren. Eigentümer der Bauten und der Grundstücke ist die Dynamit-AG. Es ist noch unklar, was aus dem Areal wird. Das letzte von den Engländern beschlagnahmte Haus, Ecke Friedrich-Ebert-Straße (heute Hospitalstraße) und Schlossstraße, ist ebenfalls frei geworden.

Umfassend berichtet die Presse am 4.6. über die Feierstunde, mit der die evangelische Johanneskirche nach umfassenden Renovierungs- und Reparaturarbeiten wieder in Dienst gestellt wird. Oberkirchenrat Schlingensiepen und Superintendent Klocke danken allen, die an der Neugestaltung mitgewirkt haben.

Am 26.6. erfährt die Öffentlichkeit durch einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger: „Neues Werk entsteht in Sieglar“. Die Firma Reifenhäuser verlässt Troisdorf – Die Stadt ist ihr zu eng geworden. Mit den Arbeiten an einer Fabrikationshalle auf dem Industriegelände neben dem Röhrenwerk in Sieglar ist bereits begonnen worden.“

Die am Heftigsten diskutierten Probleme des ersten Halbjahrs 1957 kommen in dieser Chronik nicht zum Tragen, da sie noch nicht gelöst wurden. Dies waren:

  1. Die Frankfurter Straße mit ihrem Kopfsteinpflaster und der Doppelbelastung von Straßenbahn und zunehmendem Automobilverkehr führt zu zahlreichen Unfällen auch mit Todesopfern. Troisdorf und Siegburg fordern einen Obusverkehr. Die Lösung des Problems lässt auf sich warten.
  2. Dr. Günter Nöfer fordert im Stadtrat eine Asphaltierung der Frankfurter Straße. Als sich herausstellt, dass diese nur 20 000 DM kostet, steht diese Maßnahme unmittelbar bevor.
  3. Der Verbindungsweg Troisdorf-Altenrath ist in erbarmenswürdigem Zustand. Nach einem Feuerwehreinsatz in der Heide erklärt die Feuerwehr in einer Resolution, dass sie sich künftig weigere, auf diesem Weg in einen weiteren Einsatz zu fahren.

Ab dem 1. Juli räumen die ersten zehn britischen Familien die Häuser im Krapelsfeld. Im Verlauf der nächsten drei Wochen ziehen alle aus und machen frei für Belgier und Angehörige des Bundes. Gleichzeitig übergibt die Royal Air Force den Fliegerhorst Wahn der deutschen Luftwaffe.

Als erste Schulklasse im weiten Umkreis besucht die Klasse 4a (Jahrgang 9) der Realschule Troisdorf mit ihren Lehrern Dr. Pütz und Wietasch für 14 Tage die Partnerschule in Ramsgate.

Am 4. Juli wird der Stadtverordnete Alois Remmel 70 Jahre alt. Als Architekt und Bauunternehmer baute er unter anderem 1928 das weithin bekannte und beliebte „Waldcafé Haus Ravensberg“. Nach dem II. Weltkrieg baute er an der Stelle der im Krieg zerstörten Gaststätte Hohn den „Sanderhof“.

Wegen der andauernden Hitzeperiode begrüßt Stadtdirektor Dr. Kaesbach am 6. Juli den 50 000. Besucher des Troisdorfer Freibads mit einem Geschenk. Nicht mitgerechnet sind in dieser Zahl die vielen Schulklassen, die das Bad im Sportunterricht aufsuchen.

Am 11. Juli beschließt der Troisdorfer Stadtrat, sich der Gemeinde Sieglar anzuschließen und die Straßenbeleuchtung von Gas auf Elektrizität umzustellen.

Vom 25. Juli bis 9. August sind 24 Schüler aus Ramsgate zum Gegenbesuch in Troisdorf.

Am 5. August stirbt Amandus Hagen, Ehrenbürger der Stadt Troisdorf und Ehrenmitglied des Zentrums und des Kirchenvorstands. Hagen war von 1907 bis 1933 ehrenamtlicher Beigeordneter der Gemeinde Troisdorf. Jeweils nach dem I. und nach dem II. Weltkrieg übernahm er für kurze Zeit das Amt des Bürgermeisters in Vertretung.

Am 1. September eröffnet Dr. Westhoff in der Hippolytusstraße 17 das erste Troisdorfer Notariat.

Am 8. September weiht Dechant Wirtz, Sieglar, mit Pfarrer Bendermacher in Anwesenheit vieler hundert Gläubiger die fünf Kirchenglocken für St. Gerhard. Pfarrer Bendermacher sagt: „Ohne die hochherzige Spende der Familie Reifenhäuser ständen wir heute nicht hier. Sie hat praktisch den Grundstock für unsere Glocken geschaffen.“

Nach der Bundestagswahl vom 15. September entsendet der Siegkreis drei Abgeordnete nach Bonn: Landrat Peter Etzenbach (CDU), Dr. Kliesing (CDU) und Karl Wienand (SPD).

Am 24. September bringt der General-Anzeiger die Schlagzeile: „Sieglar hat 300 000 DM zu verteilen – Sieglar hat erhebliche Mehreinnahmen aus Steuerquellen – Schwere Frage: Wohin mit dem Geld?“

Am 28. September schreibt der „Anzeiger für Sieg und Rhein“: „Lorenz Beu zur CDU – Zentrumsfraktion vor der Auflösung? – In der gestrigen Gemeinderatssitzung in Sieglar gab Lorenz Beu die Erklärung ab, dass er und Gemeinderatsmitglied Küpper, beide bisher Zentrum, sich der CDU-Fraktion angeschlossen haben. Im Anschluss an die Erklärung legte Ratsmitglied Kemp seinen Posten als Fraktionssprecher des Zentrums nieder.“

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet am 30. September: „Am 5. Oktober führt die Stadtverwaltung Troisdorf eine verkürzte Arbeitszeit auf 45 Wochenstunden ein. Samstags wird je die Hälfte der Verwaltung frei haben.“

Die Übergabe des Flughafens Wahn von der Royal Air Force an das Bundesministerium für Verkehr erfolgte bereits am 18. Juli. Am 2. Oktober wird der Flughafen Köln-Bonn offiziell eingeweiht.

Am 10. Oktober berichten die Zeitungen vom Tod des Rektors a. D. Adolf Friedrich: Von 1914 bis 1946 war der Verstorbene ununterbrochen im Schuldienst der Stadt Troisdorf. Auch im politischen Leben hat er fast 40 Jahre lang wertvolle Dienste insbesondere als „Vater“ der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft geleistet.

Am 9. Oktober übergibt Stadtdirektor Dr. Kaesbach offiziell die Mädchenabteilung der Realschule ihrer Bestimmung.

Am Sonntag, dem 27. Oktober, weiht Weihbischof Dr. Ferche St. Gerhard im Oberdorf ein. In feierlicher Prozession werden Reliquien des Hl. Gereon und der Hl. Ursula in die Kirche gebracht.

Die 132 Sänger des Chors der Dynamit AG werden am 26.Oktober vom Papst in der Sommerresidenz Castel Gandolfo in Sonderaudienz empfangen. Am 27.Oktober singen sie ein Hochamt in Santa Maria dell´ Anima, und am 29. Oktober gestalten sie ein Konzert für die deutsche Kolonie in Rom.

Am 10. November übergibt Regierungspräsident Dr. Rieger die neue Ehrenanlage für die Kriegsopfer auf dem Waldfriedhof.

Am 11. November berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die Dynamit-AG zählt über 8.200 Arbeitnehmer.“

Ebenfalls am 11. November feiert der Chor der Dynamit-AG. Sein 40-jähriges Jubiläum im Kölner Gürzenich.

Mit Wirkung vom 1. Dezember wird Carl Wilhelm Cremer, Kaplan an St. Hippolytus, zum neuen Pfarrer von Oberlar ernannt. Er löst Pfarrer Willems ab.

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