Was geschah vor 50 Jahren in Troisdorf?
1956

Geschrieben von Peter Haas (ab 2005: Aus dem Pressespiegel der Stadt Troisdorf)

Am 8. Januar spricht Bundesminister Dr. Wuermeling auf Einladung des katholischen Männerwerks im Canisiushaus über „Sinn der Familienpolitik“. Der Kölner Stadt-Anzeiger zitiert Wuermeling mit dem Satz: „Die Mütter gehen nicht in die Fabrik, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil die Not sie dazu zwingt … Zur Zeit sei unserer Demokratie das Denken an Familienbelange völlig fremd.“

Anlässlich der Feierlichkeit zur Stadterhebung 1951 hat Regierungspräsident Dr. Warsch den Grundstein für eine neue Turnhalle am Annonisweg gelegt. Am 29. Januar 1956 kann sie endlich fertiggestellt und eingeweiht werden. Regierungspräsident Dr. Warsch kann trotz Zusage wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen. Beachtung findet außer der Halle das Sgraffito von Ulrich Bliese an der Stirnseite der Turnhalle.

Die kurze Karnevalssession verzeichnet als Karnevalsprinzen:

für Oberlar: Heinrich II. (Hörsch);

für Sieglar: Franz I. (Krechel);

für Troisdorf: Jean II. (Philippy), dessen Zug unter dem Motto „Wat et net all jitt“ durch die Stadt zieht.

Am 23. Februar werden Alexander Friedrich aus der Schubertstraße und Ernst Baak aus der Heidestraße in St. Heribert in Köln von Kardinal Frings zu Priestern geweiht. Auf der Hütte feiert am 28. Februar Pastor Franz Wünnenberg sein goldenes Priesterjubiläum.

Nach einem langen, harten Winter bedroht in den ersten Märztagen Eisgang, der sich am Aggerdeich meterhoch aufstaut, die Aggerbrücken und das Freibad. Die Gefahr kann durch drei Sprengungen beseitigt werden.

Das SOL-Werk Paul Hochherz aus Troisdorf zeigt auf der Hausrat- und Eisenwarenmesse in Köln Anfang März einen Kinderwagen, der als Babybettchen, Kinder- und Sportwagen genutzt werden kann.

Am 10. März berichtet die Troisdorfer Zeitung aus der Sitzung des Stadtrats: „Der Wilhelm-Hamacher-Platz, 1950 angefangen und seit der Stunde ein Schmerzenskind der Stadt, soll nun doch so ausgebaut werden, dass er nach den Worten des Städteplaners Dr. Orth einen städtebaulichen Reiz erhält. … Nach fast zweistündiger Beratung beschloss der Rat, einen Durchführungsplan aufstellen zu lassen.“

Am Samstag, dem 17. März, und dem folgenden Sonntag führen 250 Jungen und Mädchen der Realschule im Saal Thiesen die Jugendoper „Die Wunderuhr“ von Eberhard Werdin auf und erhalten viel Lob.

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse stellen die Klöckner-Mannstaedt-Werke eine mehrere Meter hohe Spirale auf, die mit 15 000 unterschiedlichen Profilen aus ihrer Produktion bestückt ist. Gleichzeitig wird die neue vollautomatische Feineisen-Walzstraße in Betrieb genommen. Das Unternehmen hat aktuell 4300 Mitarbeiter. Für die Industriemesse in Hannover baut das Werk eine 27 Meter hohe, umgekehrte Stahlpyramide aus Spezialprofilen.

Am 23. März titelt der Kölner Stadt-Anzeiger: „Troisdorf braucht ein Heimatmuseum“ und schreibt weiter: „Mit dem Vorschlag, in Troisdorf ein Stadtmuseum zu gründen, machte sich der Verkehrsverein auf seiner Generalversammlung am Dienstag im Canisiushaus zum Sprecher vieler Troisdorfer … Der neue Vorsitzende des Verkehrsvereins, Oberingenieur Heimansberg, nannte das fehlende Stadtmuseum eine Lücke in den Einrichtungen der Stadt.“

Am ersten Tag des neuen Schuljahres, am 12. April, beziehen die ersten Jungenklassen das neue Gebäude der Realschule an der Heimbachstraße. Jungen- und Mädchenrealschule werden fortan getrennt geführt. Frau Meurer leitet die Mädchenrealschule, Dr. Pütz wird Leiter der Jungenrealschule.

Anfang Mai wird das erste Hochhaus im Siegkreis bezogen: Das siebenstöckige Verwaltungsgebäude der Dynamit AG an der Ecke Kölner Straße/Kaiserstraße.

Im Mai spielen SSV Troisdorf 05 und SV 09 Bergisch Gladbach, die Gruppensieger der beiden Amateurligen des Fußballverbands Mittelrhein, in einem Hin- und Rückspiel die Mittelrheinmeisterschaft aus. Troisdorf gewinnt die Spiele mit 1:0 und 2:1 und wird damit zum zweiten Mal seit dem Krieg Mittelrheinmeister. Mannschaftskapitän Toni Tiller bekommt einen riesigen Siegerkranz umgehängt. Troisdorf spielte mit: Kandzia, Kahl, Gies, Müller, Tiller, Große, Bernickel, Dresen, Caspar, Pott, Hüsges.

Theodor Bartram, renommierter Gastwirt des „Kölner Hofs“, feiert sein 60-jähriges Berufsjubiläum. Vor dem Krieg war er viele Jahre Chef im „Hotel Reichenstein“ in Siegburg. 1947 hat er den „Kölner Hof“ in Troisdorf übernommen.

Am 10. Juni führt der neue Troisdorfer Kinderchor unter der Leitung von Barthel Winterscheidt im Saal Thiesen sein erstes Konzert durch. Am Klavier begleitet Gottfried Herkenrath.

Am 30.Mai wird der Grundstein für die Schule Lohmarer Straße gelegt.

Am 4. Juni spricht der Bundestagsabgeordnete Walter Scheel auf einer Veranstaltung der Troisdorfer FDP im Saal Buchner. Laut Kölnischer Rundschau äußerte Scheel unter anderem, die Steuerpolitik der Bundesregierung sei falsch, weil zwölf Milliarden DM gehortet worden seien.

Am 18. Juni berichtet der General-Anzeiger: Der Werkchor der Dynamit-AG unter der Leitung von Willi Schell hat für den Westdeutschen Rundfunk ein Programm von Werken Schumanns aufs Band gesungen. Diese Aufnahme soll bei einer Gedenkfeier für Robert Schumann (zum Gedenken seines Todes am 29. Juli vor 100 Jahren) verwendet werden.

Am 24. Juni erfolgt der erste Spatenstich zum Bau der katholischen Kirche St. Gerhard. Den ersten Spatenstich führt Religionslehrer Pfarrer Wemmer aus.

Sieglars Bürgermeister Beu und Gemeindevertreter Quadt erläutern am 25. Juni anlässlich einer Veranstaltung der Kath. Arbeiterbewegung im überfüllten Jugendheim die Entwicklung Sieglars vom Bauerndorf zum Industrie- und Gewerbestandort.

Dr. Hans-Hero Vosgerau, Direktor der Klöckner-Mannstaedt-Werke, wird einstimmig zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Bonn wiedergewählt.

Ende Juni nimmt das Tierheim des Tierschutzvereins für den Siegkreis an der Siebengebirgsallee seinen Betrieb auf.

In Oberlar feiert der TuS 07mit allen Ortsvereinen Anfang Juli im 49. Jahr seines Bestehens die Erringung der Kreismeisterschaft im Fußball und den Aufstieg in die Bezirksklasse.

Am 10. Juli feiert die Stadt das Richtfest für die neue katholische Volksschule an der Lohmarer Straße, die die alte Volksschule an der Kirchstraße ersetzen soll. Wegen ihrer markanten Rundfenster im Treppenhaus tauft der Volksmund sie „Schweizer Kies“.

Anlässlich seines Bonnbesuchs fährt der indische Ministerpräsident Pandit Nehru am 13. Juli durch Troisdorf.

Da die belgischen Streitkräfte in der 2. Julihälfte mit dem Bau der Start- und Landebahn für Kurierflugzeuge hinter der Maikammer, heute Aggerstadion, beginnen wollen, fordern sie die Landwirte auf, mit der Ernte zu beginnen. Später wird das Vorhaben aufgegeben.

Am 13. Juli berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die erst vor wenigen Monaten gegründete Leichtathletikabteilung des SSV 05 konnte in Bonn einige beachtliche Erfolge erzielen. Peter Haas belegte im Dreikampf der Jugend B den ersten Platz. Er lief die 100 m in 11,5 Sekunden, sprang 5,40 m weit und stieß die Kugel 13,15 m. Über 100 m der Jugend A siegte Haas in 11,3 Sekunden.“

Am 18. und 19. Juli berichten alle lokalen Zeitungen von der Grundsteinlegung für den „weltweit ersten Niederschachtofen für Schwelverhüttung“ bei den Klöckner-Mannstaedt-Werken in Troisdorf.

Am 3. August berichtet der „Anzeiger für Sieg und Rhein“: „Gestern Abend gegen 19 Uhr kam es auf der Frankfurter Straße in Höhe von Kolben Knebel zu einem tragischen Verkehrsunfall, bei dem zwei junge Menschen ihr Leben lassen mussten. Erst am Tag zuvor hatten die Troisdorferin und der junge Mann aus Oberlar geheiratet. Das junge Ehepaar kam mit einem PKW aus Richtung Siegburg. Kurz vor der Kurve kamen ihnen die Straßenbahn und ein LKW entgegen. Deshalb musste der junge Mann abbremsen, kam auf dem Pflaster ins Schleudern und stieß gegen den LKW. Das Ehepaar wurde aus dem Wagen geschleudert und erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass der Tod unmittelbar darauf eintrat.“

Nach seiner viel beachteten Teilnahme am Fest des deutschen Sängerbundes in Stuttgart bringt der Werkschor der D.A.G. Anfang August Bundeskanzler Adenauer an seinem Urlaubssitz in Bühler Höhe ein Ständchen.

Die Werksleitung der D.A.G. und die Gemeinde Sieglar tun sich Anfang August zusammen, um das Barackenlager an der Mülheimer Straße, in dem zur NS-Zeit die Zwangsarbeiter untergebracht waren, zu beseitigen. Noch sind dort 48 Familien untergebracht, für die zunächst neuer Wohnraum geschaffen werden muss.

Am Sonntag, dem 9. September, legt Pfarrer Bendermacher in Anwesenheit zahlreicher Gläubiger den Grundstein für die Pfarrkirche St. Gerhard. Architekt ist H. P. Fischer aus Köln.

Am 12. September wird Pfarrer Klocke aus Troisdorf zum Superintendenten des Kirchenkreises Bonn gewählt. Am 23. Oktober wird er in der Johanneskirche feierlich in sein Amt eingeführt.

Am 14. September berichtet der General-Anzeiger: „Troisdorfs Milchmänner kommen nicht mehr. Im Stadtzentrum künftig nur noch stationäre Milchverkaufsstellen. Eine Jahrhunderte alte Sitte wird nun auch in Troisdorf ihr Ende finden: das Milchaustragen von Haus zu Haus.“

Nach der Kommunalwahl resümiert der Kölner Stadt-Anzeiger am 30. Oktober: „Verlierer Zentrum wird Zünglein an der Waage. Es gibt keinen Zweifel: Das Zentrum ist der große Verlierer … Trotzdem ist das Zentrum aber die entscheidende dritte Kraft geblieben, weil sich die beiden Großen, die CDU und die SPD, so dicht zusammenschoben, dass in den meisten Fällen das Zentrum das Zünglein an der Waage… darstellen dürften.“

Im Spätsommer und Herbst werden in der Öffentlichkeit der Region vor allen anderen Themen die folgenden diskutiert:

  1. Die vermehrten Flüge der Düsenjäger der britischen Luftwaffe (R.A.F.) einschließlich der Pläne, den zivilen Flughafen Wahn auszubauen.
  2. Die Siegburg-Zündorfer Straßenbahn („Rhabarberschlitten“), die Siegburg und Troisdorf durch Buslinien ersetzen möchten, da sie insbesondere auf der B8 den Straßenverkehr gefährdet. Im Aggertal dagegen gibt es Bestrebungen, den Schienenverkehr im Aggertal („Luhmer Grietche“) zu elektrifizieren und mit der Zündorfer Bahn zu verbinden.

In der Betriebsdelegiertenversammlung der Dynamit-AG Anfang November teilt der Vorsitzende des Betriebsrates, Ewald Klett, mit, dass sich im Verlauf des Jahres die Anzahl der Mitarbeiter um 900 auf nunmehr 7500 Mitarbeiter vermehrt habe.

Josef Kitz, SPD, wird auf der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl zum neuen Bürgermeister der Stadt Troisdorf gewählt. Er dankt seinem Vorgänger Wilhelm Stricker, CDU, für seine objektive und gewissenhafte Amtsführung.

In Sieglar wird ebenfalls ein Sozialdemokrat zum Bürgermeister gewählt: Bernhard Dresbach.

Zum dritten Mal in Folge wird der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Etzenbach zum Landrat des Siegkreises gewählt.

Am 4. Dezember berichtet der General-Anzeiger über einen nicht alltäglichen Gerichtsfall: „Verheiratet und doch nicht verheiratet. Vor dem Troisdorfer Standesamt erschien im Sommer ein Mann, um stolz die Geburt seines Kindes anzumelden. Er legte ein Familienstammbuch vor und gab an, mit der Mutter seines Kindes verheiratet zu sein. Hinterher stellte sich heraus, dass er nicht verheiratet war. Erstmalig hatte er 1932 geheiratet. Als er im Krieg in Schleswig-Holstein die Mitteilung erhielt, seine Frau sei bei einem Luftangriff in Köln gestorben, hatte er eine Luftwaffenhelferin kennen und lieben gelernt und, wie er sagte, geheiratet. Da er nie eine Bescheinigung über den Tod seiner ersten Frau vorlegen konnte, wurde er wegen Bigamie angeklagt, aber wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Nach dem Krieg tauchte seine erste Frau wieder auf und erwirkte, dass die Ehe mit der Luftwaffenhelferin für ungültig erklärt wurde. Darauf erwirkte der Mann die Scheidung von seiner ersten Frau, hatte aber zuvor unterschrieben, er habe davon Kenntnis genommen, dass seine zweite Ehe ungültig sei. Anschließend vergaß der Mann, seine für ungültig erklärte Ehe mit der zweiten Frau erneut zu schließen. Dadurch wurde die Vorlage des Familienstammbuchs vor dem Standesbeamten anlässlich der Geburt seines Kindes als Falschbeurkundung bewertet. Bevor der Angeklagte vor Gericht erschien, hatte er seine zweite Frau erneut geheiratet. Das schützte ihn allerdings nicht vor Strafe. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 DM, ersatzweise drei Wochen Gefängnis.

Auf der Jubilarfeier der Klöckner-Mannstaedtwerke ehrt Direktor Osing zwei Mitarbeiter mit 50 und 14 mit 40 Dienstjahren. Erfreut weist er darauf hin, dass die Belegschaft im ablaufenden Jahr um 200 Personen auf nunmehr 4350 Beschäftigte vermehrt werden konnte.

Zum Jahreswechsel wünscht Troisdorfs Stadtdirektor Dr. Kaesbach am 31. Dezember: Ausbau der Kanalisation für Troisdorf-West, Erschließung weiteren Baugeländes für dringend erforderlichen Wohnungsbau, endgültige Fertigstellung des Wilhelm-Hamacher-Platzes, Straßeninstandsetzung, Schaffung und Erweiterung von Grünanlagen, Fertigstellung der begonnenen Schulbauten und den Bau der Leichenhalle.

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