Was geschah vor 50 Jahren in Troisdorf? 

Geschrieben von Peter Haas (ab 2005: Aus dem Pressespiegel der Stadt Troisdorf)

 

1955

In Troisdorf war seit Kriegsende die Wohnungsnot das wichtigste politische Problem. Anfang 1955 gesellt sich dazu ein völlig neues Thema: der zunehmende Verkehr. Es gibt nicht nur ständig mehr Autos, auch der Autoverkehr vom Flughafen Wahn in die provisorische Bundeshauptstadt, der mitten durch Troisdorf und über Menden nach Bonn führt, nimmt ständig zu und belastet die Menschen an der B8. So fordert man erstmals als wichtigste Maßnahme die Einstellung der Straßenbahn Siegburg – Zündorf, die mitten durch Troisdorf über die B8 fährt und eine ständige Gefahr für den übrigen Verkehr bedeutet. Fast zehn Jahre vergehen, bis dieser Plan ausgeführt wird.

Der Leiter der katholischen Volksschule Blücherstraße, Rektor Peter Josef Thommes, feiert unter großer Beachtung durch die Öffentlichkeit sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Sein erstes Lehrerjahr erlebte er 1914 im Kreis Oberberg mit einer Klasse von 104 Kindern. Später fand er seine Lebensmitte in den Gemeinden Sieglar und Troisdorf. Nach den Dienstorten Oberlar und Spich kam er 1941 an die Blücherstraße als Schulleiter. Da er nebenamtlich Schiedsmann und Mitglied des Schul- und Kulturausschusses ist, gehört er zu den bekanntesten Persönlichkeiten der jungen Stadt Troisdorf.

Gleichfalls 40-jähriges Dienstjubiläum feiert der Bundesbahn-Amtmann Franz Caspers. Ursprünglich hatte er Schauspieler werden wollen und drei Jahre lang insbesondere seine wohlklingende Stimme geschult. Dann blieb er aber doch bei der Bundesbahn. Er wurde der „Buba-Ansager Nr.1“ wie die „Neue Rheinzeitung“ am 10. Januar 1955 schreibt. „Wer den vitalen Mittfünfziger nicht persönlich kennt, der kennt zumindest seine Stimme, jenen vollen Klang seines wohltönenden Organs, dessen Timbre einen hellen Dreiklang von Heiterkeit des Herzens, allzeit guter Laune und rheinischen Frohsinn ausstrahlt“, schreibt gleichfalls die NRZ, die damit seine berufliche Tätigkeit im „Klingenden Rheinländer“ beschrieb. Für Troisdorf ist Franz Caspers seit vielen Jahren der beliebteste Sitzungspräsident im Karneval und Conferencier der legendären Frühschoppen am Kirmesmontag.

In der Siebengebirgsallee beginnen Anfang Februar die Bauarbeiten am Tierheim.

Am 24. Februar schreibt die NRZ: „Unter der Anleitung von Stadtdirektor Dr. Kaesbach gingen in Troisdorf einige städtische Arbeiter einer ungewohnten Arbeit nach. Mit Brettern, Seilen, Hämmern und Äxten befreiten sie einen der Schwäne, der auf dem Weiher an Burg Wissem eingefroren war. Das Tier wurde aus seiner unerfreulichen Lage befreit und wohlbehalten im Stadtpark ausgesetzt, wo es sich bald von den winterlichen Strapazen erholte.“

Anfang April legt Bürgermeister Wilhelm Stricker zwischen Römer- und Heimbachstraße den Grundstein für das neue Schulgebäude der Realschule, die noch schön, aber eng in der Mannstaedt-Villa in der Parkstraße untergebracht ist.

Auf der turnusmäßigen Betriebsdelegiertenversammlung im April teilt die Dynamit AG mit, dass sich die Anzahl der Mitarbeiter in einem Jahr um 838 auf insgesamt 6576 erhöht hat.

Ich habe die Ehre, zusammen mit Alwin Herrmann, der in diesen Tagen 88 Jahre alt wird, Hans Distelrath und Helmut Stricker die Leichtathletikabteilung des SSV Troisdorf 05 zu gründen, der gerade 50-jähriges Jubiläum feiert und eine Blütezeit erlebt. Aus dieser Abteilung geht gut 10 Jahre später die Troisdorfer Leichtathletik-Gemeinschaft (TLG) hervor, einer der erfolgreichsten Troisdorfer Sportvereine.

Im September 1955 findet ein Bewohner der Bismarckstraße in Troisdorf bei der Gartenarbeit seinen Ehering wieder, den er 25 Jahre zuvor bei der gleichen Arbeit verloren hat.

Bis 15. September werden die letzten von den Engländern nach dem Krieg besetzten Häuser im Bereich Römerstraße/Schlossstraße wieder an ihre deutschen Besitzer zurückgegeben. Einziges von den Engländern besetztes Haus bleibt das Eckhaus Schlossstraße/Friedrich-Ebert-Straße (heute Hospitalstraße), in dem sich der NAAFI-Shop befindet.

Bundeskanzler Adenauer fährt am 8. September in seinem Dienstwagen von Rhöndorf durch Troisdorf nach Wahn, um von dort nach Moskau zu fliegen. Tausende säumen die Fahrstrecke, da sie um die Bedeutung der Reise wissen.

An der Kreuzung der Kölner Straße mit der Hippolytusstraße und der Kölner Straße mit der Wilhelmstraße werden erstmal probeweise Ampeln zur Regelung des Verkehrs installiert. Auf der Kölner Straße wird von der DAG bis zur Siebengebirgsallee ein Überholverbot eingeführt.

Am 14. September kehrt Adenauer von seinem erfolgreichen Staatsbesuch aus Moskau zurück. Wieder fährt er über die B8 mitten durch Troisdorf in einem Konvoi von 30 Wagen. Erneut säumen Tausende die Straßen.

Anlässlich der Einweihung des Sportplatzes am Kaninsberg in Oberlar kommt es Ende September zu einem Fußballspiel des Troisdorfer Stadtrats gegen den Sieglarer Gemeinderat. Die Troisdorfer siegen 1:0.

Generaldirektor Dr. Gajewski von der DAG teilt mit, dass im Verlauf des Jahres 1955 die Anzahl der Beschäftigten des Werks von 6283 am 1. Januar auf 7236 am Jahresende stieg. Anlässlich seines 70. Geburtstages wird eine Dr.-Fritz-Gajewski-Stiftung zur Förderung des begabten Nachwuchses der DAG eingerichtet. Gleichzeitig wird Gajewski Ehrendoktor der Universität Bonn.

Am 4. Oktober schreibt der „Anzeiger für Sieg und Rhein“ (Troisdorfer Zeitung von August Möller):

„Nun auch Zahlenlotto in Troisdorf

Das Nordwestlotto hat jetzt auch eine Annahmestelle in Troisdorf. Es handelt sich um das allerorts viel umstrittene Zahlenlotto, das mit seinen großen Gewinnchancen sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Der erste Spieltag ist bereits am 1. Oktober. Lottoscheine sind in der Annahmestelle Zigarrenhaus Becker zu haben.“

Am 10. Oktober treffen mit Hermann Lichtenberg und Fritz Berningshaus die beiden ersten Spätestheimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft in Troisdorf ein. Man hat sie in PKWs in Friedland abgeholt. Bürgermeister Stricker und Stadtdirektor Dr. Kaesbach überbringen die Grüße der Stadt. Beide waren im Lager Swerdlowsk. Als dritter Heimkehrer trifft Willi Over wenige Tage später bei seinen Angehörigen ein. Zum ersten Mal sehen sich der Vater und seine zwölfjährige Tochter.

Wegen Reparaturarbeiten ist die Aggerbrücke zwischen Siegburg und Troisdorf wochenlang gesperrt. Die Straßenbahn praktiziert einen Umsteigeverkehr. Autofahrer müssen große Umwege fahren. Seit dem 9. Oktober ist die Brücke wieder befahrbar.

Am 16. Dezember 1955 schreibt die „Rundschau“:

„Willy Rosenbaum kehrte heim

Der Vater, Verwandte und die früheren Arbeitskameraden bereiteten ihm einen schönen Empfang. Zum ersten Mal seit 1938 sah Willy Rosenbaum bei der Ankunft vor seinem Hause seinen ehemaligen Chef wieder, den Prokuristen Leo Müller von der DAG. Es hat wohl selten eine so herzliche Begrüßung zwischen Chef und Mitarbeiter gegeben wie in diesem Augenblick. Die Mitglieder des Werkchors versammelten sich unter Dirigent Marx und brachten ihm als ersten Heimatgruß ihre Lieder. In strömendem Regen standen Freunde und Nachbarn um das festlich geschmückte Haus, in das ihn Schwester und Onkel, die ihn von Friedland geholt hatten, zum Vater führten.

Wir trafen den jetzt 31-jährigen Heimkehrer zwischen Vater und seiner Braut sitzend und hörten von ihm, warum er so lange auf seinen Abtransport warten musste. Genau wie seine Kameraden hatte er in den Weiten Russlands Jahre als Verurteilter verbracht, war dann voll Hoffnung von Swerdlowsk am 10. Oktober weggefahren. … In der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober wurde er in der Nähe von Moskau ausgeladen mit der Begründung, die Bundesrepublik sei ihren Pflichten gegenüber der Sowjetunion nicht nachgekommen. Im Internierungslager habe es dann noch anderthalb Monate gedauert, bis er gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten in Marsch gesetzt wurde. Willy Rosenbaum freut sich, dass er nach einer gewissen Erholungszeit wieder in seine alte Stelle bei der DAG eintreten kann. … Damit ist nun auch der letzte der in Troisdorf beheimateten Kriegsgefangenen heimgekehrt, die mit ihren Angehörigen in brieflicher Verbindung gestanden haben.“

Dr. Wilhelm Neußer stellt seine Doktorarbeit über „Troisdorfer Flurnamen“ einer größeren Öffentlichkeit vor.

1956

Am 8. Januar spricht Bundesminister Dr. Wuermeling auf Einladung des katholischen Männerwerks im Canisiushaus über „Sinn der Familienpolitik“. Der Kölner Stadt-Anzeiger zitiert Wuermeling mit dem Satz: „Die Mütter gehen nicht in die Fabrik, weil es ihnen Spaß macht, sondern weil die Not sie dazu zwingt … Zur Zeit sei unserer Demokratie das Denken an Familienbelange völlig fremd.“

Anlässlich der Feierlichkeit zur Stadterhebung 1951 hat Regierungspräsident Dr. Warsch den Grundstein für eine neue Turnhalle am Annonisweg gelegt. Am 29. Januar 1956 kann sie endlich fertiggestellt und eingeweiht werden. Regierungspräsident Dr. Warsch kann trotz Zusage wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen. Beachtung findet außer der Halle das Sgraffito von Ulrich Bliese an der Stirnseite der Turnhalle.

Die kurze Karnevalssession verzeichnet als Karnevalsprinzen:

für Oberlar: Heinrich II. (Hörsch);

für Sieglar: Franz I. (Krechel);

für Troisdorf: Jean II. (Philippy), dessen Zug unter dem Motto „Wat et net all jitt“ durch die Stadt zieht.

Am 23. Februar werden Alexander Friedrich aus der Schubertstraße und Ernst Baak aus der Heidestraße in St. Heribert in Köln von Kardinal Frings zu Priestern geweiht. Auf der Hütte feiert am 28. Februar Pastor Franz Wünnenberg sein goldenes Priesterjubiläum.

Nach einem langen, harten Winter bedroht in den ersten Märztagen Eisgang, der sich am Aggerdeich meterhoch aufstaut, die Aggerbrücken und das Freibad. Die Gefahr kann durch drei Sprengungen beseitigt werden.

Das SOL-Werk Paul Hochherz aus Troisdorf zeigt auf der Hausrat- und Eisenwarenmesse in Köln Anfang März einen Kinderwagen, der als Babybettchen, Kinder- und Sportwagen genutzt werden kann.

Am 10. März berichtet die Troisdorfer Zeitung aus der Sitzung des Stadtrats: „Der Wilhelm-Hamacher-Platz, 1950 angefangen und seit der Stunde ein Schmerzenskind der Stadt, soll nun doch so ausgebaut werden, dass er nach den Worten des Städteplaners Dr. Orth einen städtebaulichen Reiz erhält. … Nach fast zweistündiger Beratung beschloss der Rat, einen Durchführungsplan aufstellen zu lassen.“

Am Samstag, dem 17. März, und dem folgenden Sonntag führen 250 Jungen und Mädchen der Realschule im Saal Thiesen die Jugendoper „Die Wunderuhr“ von Eberhard Werdin auf und erhalten viel Lob.

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse stellen die Klöckner-Mannstaedt-Werke eine mehrere Meter hohe Spirale auf, die mit 15 000 unterschiedlichen Profilen aus ihrer Produktion bestückt ist. Gleichzeitig wird die neue vollautomatische Feineisen-Walzstraße in Betrieb genommen. Das Unternehmen hat aktuell 4300 Mitarbeiter. Für die Industriemesse in Hannover baut das Werk eine 27 Meter hohe, umgekehrte Stahlpyramide aus Spezialprofilen.

Am 23. März titelt der Kölner Stadt-Anzeiger: „Troisdorf braucht ein Heimatmuseum“ und schreibt weiter: „Mit dem Vorschlag, in Troisdorf ein Stadtmuseum zu gründen, machte sich der Verkehrsverein auf seiner Generalversammlung am Dienstag im Canisiushaus zum Sprecher vieler Troisdorfer … Der neue Vorsitzende des Verkehrsvereins, Oberingenieur Heimansberg, nannte das fehlende Stadtmuseum eine Lücke in den Einrichtungen der Stadt.“

Am ersten Tag des neuen Schuljahres, am 12. April, beziehen die ersten Jungenklassen das neue Gebäude der Realschule an der Heimbachstraße. Jungen- und Mädchenrealschule werden fortan getrennt geführt. Frau Meurer leitet die Mädchenrealschule, Dr. Pütz wird Leiter der Jungenrealschule.

Anfang Mai wird das erste Hochhaus im Siegkreis bezogen: Das siebenstöckige Verwaltungsgebäude der Dynamit AG an der Ecke Kölner Straße/Kaiserstraße.

Im Mai spielen SSV Troisdorf 05 und SV 09 Bergisch Gladbach, die Gruppensieger der beiden Amateurligen des Fußballverbands Mittelrhein, in einem Hin- und Rückspiel die Mittelrheinmeisterschaft aus. Troisdorf gewinnt die Spiele mit 1:0 und 2:1 und wird damit zum zweiten Mal seit dem Krieg Mittelrheinmeister. Mannschaftskapitän Toni Tiller bekommt einen riesigen Siegerkranz umgehängt. Troisdorf spielte mit: Kandzia, Kahl, Gies, Müller, Tiller, Große, Bernickel, Dresen, Caspar, Pott, Hüsges.

Theodor Bartram, renommierter Gastwirt des „Kölner Hofs“, feiert sein 60-jähriges Berufsjubiläum. Vor dem Krieg war er viele Jahre Chef im „Hotel Reichenstein“ in Siegburg. 1947 hat er den „Kölner Hof“ in Troisdorf übernommen.

Am 10. Juni führt der neue Troisdorfer Kinderchor unter der Leitung von Barthel Winterscheidt im Saal Thiesen sein erstes Konzert durch. Am Klavier begleitet Gottfried Herkenrath.

Am 30.Mai wird der Grundstein für die Schule Lohmarer Straße gelegt.

Am 4. Juni spricht der Bundestagsabgeordnete Walter Scheel auf einer Veranstaltung der Troisdorfer FDP im Saal Buchner. Laut Kölnischer Rundschau äußerte Scheel unter anderem, die Steuerpolitik der Bundesregierung sei falsch, weil zwölf Milliarden DM gehortet worden seien.

Am 18. Juni berichtet der General-Anzeiger: Der Werkchor der Dynamit-AG unter der Leitung von Willi Schell hat für den Westdeutschen Rundfunk ein Programm von Werken Schumanns aufs Band gesungen. Diese Aufnahme soll bei einer Gedenkfeier für Robert Schumann (zum Gedenken seines Todes am 29. Juli vor 100 Jahren) verwendet werden.

Am 24. Juni erfolgt der erste Spatenstich zum Bau der katholischen Kirche St. Gerhard. Den ersten Spatenstich führt Religionslehrer Pfarrer Wemmer aus.

Sieglars Bürgermeister Beu und Gemeindevertreter Quadt erläutern am 25. Juni anlässlich einer Veranstaltung der Kath. Arbeiterbewegung im überfüllten Jugendheim die Entwicklung Sieglars vom Bauerndorf zum Industrie- und Gewerbestandort.

Dr. Hans-Hero Vosgerau, Direktor der Klöckner-Mannstaedt-Werke, wird einstimmig zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Bonn wiedergewählt.

Ende Juni nimmt das Tierheim des Tierschutzvereins für den Siegkreis an der Siebengebirgsallee seinen Betrieb auf.

In Oberlar feiert der TuS 07mit allen Ortsvereinen Anfang Juli im 49. Jahr seines Bestehens die Erringung der Kreismeisterschaft im Fußball und den Aufstieg in die Bezirksklasse.

Am 10. Juli feiert die Stadt das Richtfest für die neue katholische Volksschule an der Lohmarer Straße, die die alte Volksschule an der Kirchstraße ersetzen soll. Wegen ihrer markanten Rundfenster im Treppenhaus tauft der Volksmund sie „Schweizer Kies“.

Anlässlich seines Bonnbesuchs fährt der indische Ministerpräsident Pandit Nehru am 13. Juli durch Troisdorf.

Da die belgischen Streitkräfte in der 2. Julihälfte mit dem Bau der Start- und Landebahn für Kurierflugzeuge hinter der Maikammer, heute Aggerstadion, beginnen wollen, fordern sie die Landwirte auf, mit der Ernte zu beginnen. Später wird das Vorhaben aufgegeben.

Am 13. Juli berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die erst vor wenigen Monaten gegründete Leichtathletikabteilung des SSV 05 konnte in Bonn einige beachtliche Erfolge erzielen. Peter Haas belegte im Dreikampf der Jugend B den ersten Platz. Er lief die 100 m in 11,5 Sekunden, sprang 5,40 m weit und stieß die Kugel 13,15 m. Über 100 m der Jugend A siegte Haas in 11,3 Sekunden.“

Am 18. und 19. Juli berichten alle lokalen Zeitungen von der Grundsteinlegung für den „weltweit ersten Niederschachtofen für Schwelverhüttung“ bei den Klöckner-Mannstaedt-Werken in Troisdorf.

Am 3. August berichtet der „Anzeiger für Sieg und Rhein“: „Gestern Abend gegen 19 Uhr kam es auf der Frankfurter Straße in Höhe von Kolben Knebel zu einem tragischen Verkehrsunfall, bei dem zwei junge Menschen ihr Leben lassen mussten. Erst am Tag zuvor hatten die Troisdorferin und der junge Mann aus Oberlar geheiratet. Das junge Ehepaar kam mit einem PKW aus Richtung Siegburg. Kurz vor der Kurve kamen ihnen die Straßenbahn und ein LKW entgegen. Deshalb musste der junge Mann abbremsen, kam auf dem Pflaster ins Schleudern und stieß gegen den LKW. Das Ehepaar wurde aus dem Wagen geschleudert und erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass der Tod unmittelbar darauf eintrat.“

Nach seiner viel beachteten Teilnahme am Fest des deutschen Sängerbundes in Stuttgart bringt der Werkschor der D.A.G. Anfang August Bundeskanzler Adenauer an seinem Urlaubssitz in Bühler Höhe ein Ständchen.

Die Werksleitung der D.A.G. und die Gemeinde Sieglar tun sich Anfang August zusammen, um das Barackenlager an der Mülheimer Straße, in dem zur NS-Zeit die Zwangsarbeiter untergebracht waren, zu beseitigen. Noch sind dort 48 Familien untergebracht, für die zunächst neuer Wohnraum geschaffen werden muss.

Am Sonntag, dem 9. September, legt Pfarrer Bendermacher in Anwesenheit zahlreicher Gläubiger den Grundstein für die Pfarrkirche St. Gerhard. Architekt ist H. P. Fischer aus Köln.

Am 12. September wird Pfarrer Klocke aus Troisdorf zum Superintendenten des Kirchenkreises Bonn gewählt. Am 23. Oktober wird er in der Johanneskirche feierlich in sein Amt eingeführt.

Am 14. September berichtet der General-Anzeiger: „Troisdorfs Milchmänner kommen nicht mehr. Im Stadtzentrum künftig nur noch stationäre Milchverkaufsstellen. Eine Jahrhunderte alte Sitte wird nun auch in Troisdorf ihr Ende finden: das Milchaustragen von Haus zu Haus.“

Nach der Kommunalwahl resümiert der Kölner Stadt-Anzeiger am 30. Oktober: „Verlierer Zentrum wird Zünglein an der Waage. Es gibt keinen Zweifel: Das Zentrum ist der große Verlierer … Trotzdem ist das Zentrum aber die entscheidende dritte Kraft geblieben, weil sich die beiden Großen, die CDU und die SPD, so dicht zusammenschoben, dass in den meisten Fällen das Zentrum das Zünglein an der Waage… darstellen dürften.“

Im Spätsommer und Herbst werden in der Öffentlichkeit der Region vor allen anderen Themen die folgenden diskutiert:

  1. Die vermehrten Flüge der Düsenjäger der britischen Luftwaffe (R.A.F.) einschließlich der Pläne, den zivilen Flughafen Wahn auszubauen.
  2. Die Siegburg-Zündorfer Straßenbahn („Rhabarberschlitten“), die Siegburg und Troisdorf durch Buslinien ersetzen möchten, da sie insbesondere auf der B8 den Straßenverkehr gefährdet. Im Aggertal dagegen gibt es Bestrebungen, den Schienenverkehr im Aggertal („Luhmer Grietche“) zu elektrifizieren und mit der Zündorfer Bahn zu verbinden.

In der Betriebsdelegiertenversammlung der Dynamit-AG Anfang November teilt der Vorsitzende des Betriebsrates, Ewald Klett, mit, dass sich im Verlauf des Jahres die Anzahl der Mitarbeiter um 900 auf nunmehr 7500 Mitarbeiter vermehrt habe.

Josef Kitz, SPD, wird auf der ersten Sitzung nach der Kommunalwahl zum neuen Bürgermeister der Stadt Troisdorf gewählt. Er dankt seinem Vorgänger Wilhelm Stricker, CDU, für seine objektive und gewissenhafte Amtsführung.

In Sieglar wird ebenfalls ein Sozialdemokrat zum Bürgermeister gewählt: Bernhard Dresbach.

Zum dritten Mal in Folge wird der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Etzenbach zum Landrat des Siegkreises gewählt.

Am 4. Dezember berichtet der General-Anzeiger über einen nicht alltäglichen Gerichtsfall: „Verheiratet und doch nicht verheiratet. Vor dem Troisdorfer Standesamt erschien im Sommer ein Mann, um stolz die Geburt seines Kindes anzumelden. Er legte ein Familienstammbuch vor und gab an, mit der Mutter seines Kindes verheiratet zu sein. Hinterher stellte sich heraus, dass er nicht verheiratet war. Erstmalig hatte er 1932 geheiratet. Als er im Krieg in Schleswig-Holstein die Mitteilung erhielt, seine Frau sei bei einem Luftangriff in Köln gestorben, hatte er eine Luftwaffenhelferin kennen und lieben gelernt und, wie er sagte, geheiratet. Da er nie eine Bescheinigung über den Tod seiner ersten Frau vorlegen konnte, wurde er wegen Bigamie angeklagt, aber wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Nach dem Krieg tauchte seine erste Frau wieder auf und erwirkte, dass die Ehe mit der Luftwaffenhelferin für ungültig erklärt wurde. Darauf erwirkte der Mann die Scheidung von seiner ersten Frau, hatte aber zuvor unterschrieben, er habe davon Kenntnis genommen, dass seine zweite Ehe ungültig sei. Anschließend vergaß der Mann, seine für ungültig erklärte Ehe mit der zweiten Frau erneut zu schließen. Dadurch wurde die Vorlage des Familienstammbuchs vor dem Standesbeamten anlässlich der Geburt seines Kindes als Falschbeurkundung bewertet. Bevor der Angeklagte vor Gericht erschien, hatte er seine zweite Frau erneut geheiratet. Das schützte ihn allerdings nicht vor Strafe. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 100 DM, ersatzweise drei Wochen Gefängnis.

Auf der Jubilarfeier der Klöckner-Mannstaedtwerke ehrt Direktor Osing zwei Mitarbeiter mit 50 und 14 mit 40 Dienstjahren. Erfreut weist er darauf hin, dass die Belegschaft im ablaufenden Jahr um 200 Personen auf nunmehr 4350 Beschäftigte vermehrt werden konnte.

Zum Jahreswechsel wünscht Troisdorfs Stadtdirektor Dr. Kaesbach am 31. Dezember: Ausbau der Kanalisation für Troisdorf-West, Erschließung weiteren Baugeländes für dringend erforderlichen Wohnungsbau, endgültige Fertigstellung des Wilhelm-Hamacher-Platzes, Straßeninstandsetzung, Schaffung und Erweiterung von Grünanlagen, Fertigstellung der begonnenen Schulbauten und den Bau der Leichenhalle.

1957

Am 5.1. meldet der General-Anzeiger: „Die Dynamit-AG hat der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Troisdorf 900 000 DM zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe dieses Geldes sollen 30 Mietwohnungen gebaut werden, für die das Werk das Einweisungsrecht bekommt. Das Bauvorhaben wird an der projektierten Straße zwischen Siebengebirgsallee und Bachstraße, die den Namen Drachenfelsstraße bekommen wird, durchgeführt.

Am 7.1. schreibt Karlheinz Ossendorf vom Kölner Stadt-Anzeiger: „Nach unfreiwilliger Schlecht-Wetter-Pause werden die Arbeiten an der Pfarrkirche St. Gerhard wieder aufgenommen. Die Unternehmer wollen das Werk schnell unter Dach bringen.“

Die Frisöre aus Troisdorf und Oberlar beschließen, dem Beispiel der Nachbarorte zu folgen und ab 7.1. montags zu schließen.

Fräulein (!) Änne Bermann begeht am 1.2. ihr „silbernes Ortsjubiläum in Troisdorf“, wie der Generalanzeiger schreibt. Sie ist außerdem seit 40 Jahren im Schuldienst an den Schulen Blücherstraße, Schlossstraße und schließlich Kirchstraße.

Am 25.2. berichtet der General-Anzeiger: „Vor wenigen Ehrengästen beging die Gerhardspfarrei das Richtfest. Der vom hohen First der Kirche grüßende Richtbaum dokumentierte die schnelle Entwicklung des Baues, der am 24. Juni 1956 mit dem ersten Spatenstich begonnen, am 9. September mit der Grundsteinlegung weitergeführt und nun schon unter Dach und Fach gebracht werden konnte.“

Der Kölner Stadt-Anzeiger meint kurz vor Karneval: „Es sei beschämend, dass Troisdorf nicht die notwendigen Kräfte aufbringe, um einen Rosenmontagszug zu organisieren.“ Stattdessen finden nur Züge in der „Roten Kolonie“ und im Oberdorf statt.

Der Rat der Stadt Troisdorf beschließt am 27. Februar einstimmig eine Resolution zur Beseitigung der unfallträchtigen Straßenbahn auf der verkehrsreichen B8.

Am 1. März findet man in den Zeitungen folgende Annonce: „Und Sonntag? Im Waldcafé Haus Ravensberg ab 16 Uhr Konzert u. Tanz“

Der Rat der Stadt Troisdorf beschließt am 27. Februar den Bau einer neuen Friedhofskapelle auf dem Waldfriedhof.

Um der Siebengebirgsallee den Charakter einer Allee zu geben, lässt die Stadt auf den Bürgersteigen Bäume anpflanzen, berichtet der Siegkreis-Anzeiger am 15.3.

Der General-Anzeiger berichtet am 20.3.: „Die bisher von der Troisdorfer evangelischen Gemeinde abhängige Gemeinde Niederkassel soll zum 1. April zur selbständigen Pfarrgemeinde erhoben werden, nachdem die evangelische Gemeinde immer mehr gewachsen ist und seit einiger Zeit auch über ein eigenes Gotteshaus verfügt.“

„Das ständige Anwachsen der Troisdorfer evangelischen Gemeinde hat es erforderlich gemacht, die bisher im evangelischen Gemeindehaus untergebrachte Gaststätte („blauer Engel“) zu schließen und den Raum in das Gemeindehaus einzubeziehen“, berichtet die Rundschau am 21.3.

Am 28. März überträgt der WDR ein Konzert vom Werkchor der Dynamit-AG unter der Leitung von Musikdirektor Willi Schell mit Liedern von Mendelssohn, Weber und Schumann.

Die Ortschaften der Gemeinde Sieglar werden heller. Alle Haupt- und Nebenstraßen erhalten in den nächsten beiden Jahren Neonbeleuchtung, beschließt der Sieglarer Gemeinderat auf seiner März-Sitzung.

Bei der Dynamit-AG wird ab 1. Mai nur noch 45 Stunden in der Woche gearbeitet … Bemerkenswert ist, dass das Werk jedem Rentner ein halbes Jahr lang noch das volle Gehalt zahlt.

Am Freitag, dem 26. April, wird der Neubau der katholischen Volksschule an der Lohmarer Straße seiner Bestimmung übergeben. In Vertretung des verhinderten Bürgermeisters Kitz begrüßt der stellv. Bürgermeister Heimansberg als Ehrengäste u. a. die Pfarrer Bendermacher und Heuser, Superintendent Klocke und die Leiter der Troisdorfer Schulen.In Vertretung des Landrats überreicht Dr. Fischenich ein Bild der Wahner Heide.

Der Werkchor der Dynamit-AG wirkt am 1. Mai an der Fernsehsendung „Unter dem Maibaum“ des WDR mit.

Am 4. Mai schreibt der General-Anzeiger: „Vor 50 Jahren noch Heide.

Troisdorf: Interessante Erinnerungen gab es bei einem Treffen der ehemaligen Mitglieder des im Jahre 1907 gegründeten Troisdorfer Faustball-Klubs anlässlich des 50. Jahrestags seiner Gründung. Die heute noch lebenden Mitglieder kramten anlässlich einer Fahrt ins Blaue ihre Erinnerungen hervor. Der Verein betrieb seinen Sport auf einem Sandplatz zwischen der evangelischen Kirche und dem Bahnhof, wo heute alles dicht bebaut ist und niemand mehr ahnt, dass dort vor 50 Jahren alles Heide war – mit Sand, Ginster und Erika. Die Wahner Heide, die heute erst hinter den Betriebsflächen der Dynamit AG beginnt, erstreckte sich damals noch bis an die Bahn.“

„DAG produziert eine neue Kunststoff-Faser“, schreibt der General-Anzeiger am 4. Mai und fährt fort: „Die Dynamit-AG hat eine neue Kunstfaser entwickelt. „Trofil“ wurde auf der Industriemesse in Hannover erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Die Vorteile der neuen Faser: Sie ist säure- und laugenfest. Sie hat ein niedriges spezifisches Gewicht und eine Zugfestigkeit wie Stahl. Die ersten Erzeugnisse aus Trofil, die auf dem 140 qm großen Stand gezeigt wurden, fanden viel Beachtung. Auch Bundeswirtschaftsminister Erhard besuchte den Stand und äußerte seine Überraschung über die Vielfältigkeit des Produktionsprogramms. Er interessierte sich vor allem für die Exportmöglichkeiten von Ultrapas, das vor allem für den Innenausbau von Krankenhäusern verwandt wird, aber auch für Tische, Bars, Hotelhallen, Läden und sanitäre Anlagen.

Im Verlauf des Mai wird das von den britischen Truppen seit zwölf Jahren beschlagnahmte Gebiet zwischen Schlossstraße und Friedensstraße mit allen Aufbauten einschließlich der britischen Kirche freigegeben. Die Engländer hatten dort eine Schule, einen Kinderhort, eine Klinik, Versammlungsräume und die Kirche. Das Gotteshaus wurde von ihnen erbaut, während die übrigen Gebäude in ihren Grundzügen vorhanden waren. Eigentümer der Bauten und der Grundstücke ist die Dynamit-AG. Es ist noch unklar, was aus dem Areal wird. Das letzte von den Engländern beschlagnahmte Haus, Ecke Friedrich-Ebert-Straße (heute Hospitalstraße) und Schlossstraße, ist ebenfalls frei geworden.

Umfassend berichtet die Presse am 4.6. über die Feierstunde, mit der die evangelische Johanneskirche nach umfassenden Renovierungs- und Reparaturarbeiten wieder in Dienst gestellt wird. Oberkirchenrat Schlingensiepen und Superintendent Klocke danken allen, die an der Neugestaltung mitgewirkt haben.

Am 26.6. erfährt die Öffentlichkeit durch einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger: „Neues Werk entsteht in Sieglar“. Die Firma Reifenhäuser verlässt Troisdorf – Die Stadt ist ihr zu eng geworden. Mit den Arbeiten an einer Fabrikationshalle auf dem Industriegelände neben dem Röhrenwerk in Sieglar ist bereits begonnen worden.“

Die am Heftigsten diskutierten Probleme des ersten Halbjahrs 1957 kommen in dieser Chronik nicht zum Tragen, da sie noch nicht gelöst wurden. Dies waren:

  1. Die Frankfurter Straße mit ihrem Kopfsteinpflaster und der Doppelbelastung von Straßenbahn und zunehmendem Automobilverkehr führt zu zahlreichen Unfällen auch mit Todesopfern. Troisdorf und Siegburg fordern einen Obusverkehr. Die Lösung des Problems lässt auf sich warten.
  2. Dr. Günter Nöfer fordert im Stadtrat eine Asphaltierung der Frankfurter Straße. Als sich herausstellt, dass diese nur 20 000 DM kostet, steht diese Maßnahme unmittelbar bevor.
  3. Der Verbindungsweg Troisdorf-Altenrath ist in erbarmenswürdigem Zustand. Nach einem Feuerwehreinsatz in der Heide erklärt die Feuerwehr in einer Resolution, dass sie sich künftig weigere, auf diesem Weg in einen weiteren Einsatz zu fahren.

Ab dem 1. Juli räumen die ersten zehn britischen Familien die Häuser im Krapelsfeld. Im Verlauf der nächsten drei Wochen ziehen alle aus und machen frei für Belgier und Angehörige des Bundes. Gleichzeitig übergibt die Royal Air Force den Fliegerhorst Wahn der deutschen Luftwaffe.

Als erste Schulklasse im weiten Umkreis besucht die Klasse 4a (Jahrgang 9) der Realschule Troisdorf mit ihren Lehrern Dr. Pütz und Wietasch für 14 Tage die Partnerschule in Ramsgate.

Am 4. Juli wird der Stadtverordnete Alois Remmel 70 Jahre alt. Als Architekt und Bauunternehmer baute er unter anderem 1928 das weithin bekannte und beliebte „Waldcafé Haus Ravensberg“. Nach dem II. Weltkrieg baute er an der Stelle der im Krieg zerstörten Gaststätte Hohn den „Sanderhof“.

Wegen der andauernden Hitzeperiode begrüßt Stadtdirektor Dr. Kaesbach am 6. Juli den 50 000. Besucher des Troisdorfer Freibads mit einem Geschenk. Nicht mitgerechnet sind in dieser Zahl die vielen Schulklassen, die das Bad im Sportunterricht aufsuchen.

Am 11. Juli beschließt der Troisdorfer Stadtrat, sich der Gemeinde Sieglar anzuschließen und die Straßenbeleuchtung von Gas auf Elektrizität umzustellen.

Vom 25. Juli bis 9. August sind 24 Schüler aus Ramsgate zum Gegenbesuch in Troisdorf.

Am 5. August stirbt Amandus Hagen, Ehrenbürger der Stadt Troisdorf und Ehrenmitglied des Zentrums und des Kirchenvorstands. Hagen war von 1907 bis 1933 ehrenamtlicher Beigeordneter der Gemeinde Troisdorf. Jeweils nach dem I. und nach dem II. Weltkrieg übernahm er für kurze Zeit das Amt des Bürgermeisters in Vertretung.

Am 1. September eröffnet Dr. Westhoff in der Hippolytusstraße 17 das erste Troisdorfer Notariat.

Am 8. September weiht Dechant Wirtz, Sieglar, mit Pfarrer Bendermacher in Anwesenheit vieler hundert Gläubiger die fünf Kirchenglocken für St. Gerhard. Pfarrer Bendermacher sagt: „Ohne die hochherzige Spende der Familie Reifenhäuser ständen wir heute nicht hier. Sie hat praktisch den Grundstock für unsere Glocken geschaffen.“

Nach der Bundestagswahl vom 15. September entsendet der Siegkreis drei Abgeordnete nach Bonn: Landrat Peter Etzenbach (CDU), Dr. Kliesing (CDU) und Karl Wienand (SPD).

Am 24. September bringt der General-Anzeiger die Schlagzeile: „Sieglar hat 300 000 DM zu verteilen – Sieglar hat erhebliche Mehreinnahmen aus Steuerquellen – Schwere Frage: Wohin mit dem Geld?“

Am 28. September schreibt der „Anzeiger für Sieg und Rhein“: „Lorenz Beu zur CDU – Zentrumsfraktion vor der Auflösung? – In der gestrigen Gemeinderatssitzung in Sieglar gab Lorenz Beu die Erklärung ab, dass er und Gemeinderatsmitglied Küpper, beide bisher Zentrum, sich der CDU-Fraktion angeschlossen haben. Im Anschluss an die Erklärung legte Ratsmitglied Kemp seinen Posten als Fraktionssprecher des Zentrums nieder.“

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet am 30. September: „Am 5. Oktober führt die Stadtverwaltung Troisdorf eine verkürzte Arbeitszeit auf 45 Wochenstunden ein. Samstags wird je die Hälfte der Verwaltung frei haben.“

Die Übergabe des Flughafens Wahn von der Royal Air Force an das Bundesministerium für Verkehr erfolgte bereits am 18. Juli. Am 2. Oktober wird der Flughafen Köln-Bonn offiziell eingeweiht.

Am 10. Oktober berichten die Zeitungen vom Tod des Rektors a. D. Adolf Friedrich: Von 1914 bis 1946 war der Verstorbene ununterbrochen im Schuldienst der Stadt Troisdorf. Auch im politischen Leben hat er fast 40 Jahre lang wertvolle Dienste insbesondere als „Vater“ der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft geleistet.

Am 9. Oktober übergibt Stadtdirektor Dr. Kaesbach offiziell die Mädchenabteilung der Realschule ihrer Bestimmung.

Am Sonntag, dem 27. Oktober, weiht Weihbischof Dr. Ferche St. Gerhard im Oberdorf ein. In feierlicher Prozession werden Reliquien des Hl. Gereon und der Hl. Ursula in die Kirche gebracht.

Die 132 Sänger des Chors der Dynamit AG werden am 26.Oktober vom Papst in der Sommerresidenz Castel Gandolfo in Sonderaudienz empfangen. Am 27.Oktober singen sie ein Hochamt in Santa Maria dell´ Anima, und am 29. Oktober gestalten sie ein Konzert für die deutsche Kolonie in Rom.

Am 10. November übergibt Regierungspräsident Dr. Rieger die neue Ehrenanlage für die Kriegsopfer auf dem Waldfriedhof.

Am 11. November berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger: „Die Dynamit-AG zählt über 8.200 Arbeitnehmer.“

Ebenfalls am 11. November feiert der Chor der Dynamit-AG. Sein 40-jähriges Jubiläum im Kölner Gürzenich.

Mit Wirkung vom 1. Dezember wird Carl Wilhelm Cremer, Kaplan an St. Hippolytus, zum neuen Pfarrer von Oberlar ernannt. Er löst Pfarrer Willems ab.

1958

Anlässlich der Ehrung der Jubilare der DAG äußert sich Direktor Dr. Fischer auch zur wirtschaftlichen Lage des Werks. Danach beträgt die Umsatzsteigerung in der Kunststoff-Fabrikation 11,3 Prozent, in der Zünderfabrikation 14,4 Prozent. Die Belegschaft stieg um 9 Prozent auf nunmehr 8223 Personen. (NRZ vom 7.1.58)

Die Stadt wird auch in diesem Jahr keinen Rosenmontagszug erleben. Troisdorf wird damit schon das zweite Jahr auf einen eigenen Rosenmontagszug verzichten müssen. „Wenn kein Rosenmontagszug zustande kommt, küren wir auch keinen Prinzen“, das ist die abschließende Stellungnahme des Komitees, berichtet der KSTA am 13.Januar.

Mitte Januar verabschiedet sich Kaplan Karl Wilhelm Cremer von St. Hippolytus, um Pfarrer in Oberlar zu werden.

Mit der Auflösung des Anwesens der Geschwister Hoff in der Taubengasse geht ein Zweig des starken Bauerngeschechts Hoff der Landwirtschaft verloren. Bis zuletzt wurden die auf 60 Morgen zusammengeschrumpften Äcker bewirtschaftet. Dieses Land soll jetzt unter die restlichen acht Landwirte der Stadt aufgeteilt werden. (KSTA vom 23.1.)

Nach dem Abzug der letzten Engländer im Vorjahr berichtet der KSTA am 1.April: „Die Bemühungen verschiedener Kreise in Troisdorf und Sieglar, die ehemalige englische Kirche (neben dem Troisdorfer Krankenhaus) in den Besitz der Stadt oder der Gemeinde Sieglar zu bringen, sind gescheitert. Die Bundeswehr hat das Gebäude übernommen. Sie lässt es zur Zeit kunstgerecht zerlegen und will es … in Wahn wieder aufbauen.

Übereinstimmend berichten die in Troisdorf erscheinenden Zeitungen am 5.März aus der letzten Sitzung des Stadtrats: Der Gemüsemarkt muss weichen – Durch die Ausdehnung der Bautätigkeit an der Hippolytusstraße auf den kleinen Markt (Haus Dölling), auf dem bisher der Gemüsemarkt abgehalten wurde, war der Stadtrat gezwungen, sich mit der Frage zu befassen: Wohin mit dem Gemüsemarkt. Der Vorschlag, den Schulhof Kirchstraße zu wählen, wo demnächst der Schulbetrieb ganz aufhören wird, wurde abgelehnt … Der Vorschlag Pfarrer-Kenntemich-Platz, der nach den Plänen der Stadt Stadtmittelpunkt und Marktplatz werden sollte, wurde abgelehnt, weil man meinte, er habe bei der Bevölkerung keine Sympathie. Schließlich einigte man sich, den Gemüsemarkt auf dem Parkplatz Wilhelmstraße Ecke Poststraße abzuhalten, wo früher der Saal des „Deutschen Hauses“ stand.“

Ausschnitte aus dem Jubiläumskonzert des Werkchores der DAG im Gürzenich sind am Samstag, dem 8.3., ab 15.30 Uhr auf der Mittelwelle des WDR zu hören.

Die Hütter sind empört. Rowdies haben in den letzten Nächten 19 der jungen Bäume an der Mendener Straße umgeknickt. Um die jungen Bäume zu schützen, hatte die Gemeinde um jeden Baum einen Schutz angebracht. Trotzdem ist jetzt ein Großteil vernichtet. Die Bürger sind den Tätern auf der Spur. (Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (KSTA) vom 7.3.)

Die seit zwei Jahren bestehende Jugendmusikschule wird ihre Tätigkeit einstellen, da der bisherige ehrenamtliche Betreuer, Musiklehrer Siebertz, Troisdorf verlässt und kein Nachfolger für ihn gefunden werden konnte. (Generalanzeiger vom 12.3.)

Die Troisdorfer Raiffeisenbank, die am 10.Januar 60 Jahre bestand, hat sich auch im vergangenen Jahr beachtlich entwickelt, gibt Rechtsanwalt Nussbaum als Vorsitzender des Aufsichtsrats bei der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Thiesen bekannt. Man dürfe erwarten, dass sie in diesem Jahre die Zehn-Millionen-Grenze im Umsatz erreichen werde. (Generalanzeiger vom 12.3.)

Hermann Richarz, Pfarrer von St. Georg in Altenrath, wird am 12.März zum Nachfolger des verstorbenen Pfarrers Bendermacher von St. Gerhard in Troisdorf berufen.

Sprecher aller Fraktionen auf der Sitzung des Troisdorfer Stadtrats vom 18.3. loben den Entwurf des Troisdorfer Bildhauers Fehlinger für die Friedhofskapelle, eine St.-Georgs-Figur, einhellig als „künstlerisch vollendete Leistung“. Dennoch entscheiden sie sich für ein einfaches Kreuz als Abschluss auf dem Dach der Kapelle. Mit dieser Arbeit wird Fehlinger betraut.

Bis zuletzt war Altenrath als Standort für das geplante Rheinische Freilichtmuseum im Rennen. Am 28.März entscheidet sich die Landschaftsversammlung für Kommern.

Ende Mai sind 40 Mädchen und Jungen des Troisdorfer Kinderchors elf Tage zu Besuch in England. Sie geben fünf Konzerte, in Ipswich, Watford und drei in London. In der deutschen Botschaft werden sie empfangen und bewirtet. Über die Pfingsttage sind sie in englischen Gastfamilien untergebracht. Sie erwidern damit den Besuch eines Londoner Kinderchors vom März des Jahres.

Von Samstag, dem 21.Juni, bis Samstag, dem 28.Juni, begeht der Männergesangverein Cäcilia Troisdorf, der älteste Männerchor der unteren Sieg, sein 100-jähriges Jubiläum. Die Feiern klingen aus mit einer Dampferfahrt nach Braubach.

In Verbindung mit dem Vaterstädtischen Verein Troisdorf bringt die Theatergemeinde am Donnerstag, dem 3. Juli, Goldonis „Diener zweier Herren“ als Freilichtaufführung vor der Burg Wissem.

Bei der Landtagswahl am 6. Juli erringt die CDU einen großen Erfolg. Begünstigt durch das Nichtantreten des Zentrums im Troisdorfer Stadtgebiet, erhält die CDU dort 60 % der Stimmen.

Etwa 1000 Personen beteiligen sich am Sonntag, dem 13. Juli, an einer Wallfahrt per Sonderzug von Troisdorf nach Kevelaer.

Vom 29. bis 30. Juli gastiert der Berliner Zirkus Busch auf dem Pfarrer-Kenntemich-Platz. Sein Zelt fasst 1000 Zuschauer.

Am 28. Juli titelt das Handelsblatt: „Flick geht in die Kunststoffverarbeitung.“ „Es handelt sich dabei um 15,96 % des Aktienkapitals der Dynamit AG. Die Flick-Gruppe ist damit der dritte Großaktionär der Dynamit AG geworden, an der die Rheinischen Stahlwerke und die Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon, Bürle & Co bereits seit längerer Zeit mit je etwa 32 % beteiligt sind. In freundschaftlichem Einvernehmen hat Dr. Friedrich Flick den Vorsitz im Aufsichtsrat der Dynamit AG übernommen.“

Anfang September bezieht die katholische Volksschule Lohmarer Straße ihren zweiten Bauabschnitt. Damit hat die „alte Schule“ an der Kirchstraße ausgedient. Sie steht leer und wartet auf eine neue Bestimmung.

Am 3. September berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger unter der Überschrift „Zur Zeit nicht mehr aktuell“ vom Scheitern der Gespräche zwischen Sieglarer und Troisdorfer Ratsvertretern über die Zusammenlegung beider Gemeinden. Der Beitrag endet mit einer Einschätzung der Lage: „Ein Gesichtspunkt gibt allerdings noch zu denken. Die Gemeindeverwaltung in Sieglar betreibt ebenso wie die Stadtverwaltung in Troisdorf Baupläne für die Erweiterung des Rathauses. Die weitsichtigen Kommunalvertreter fragen sich, ob diese Bauten sich noch bezahlt machen. Es herrscht sowohl in Sieglar als auch in Troisdorf Klarheit darüber, dass sich auf die Dauer Zusammenschlüsse nicht vermeiden lassen. Die Zukunft, da diese Frage spruchreif wird, scheint aber noch nicht angebrochen zu sein.

Am 17. September berichtet der General-Anzeiger: „Drei Morgen Rasen vor Burg Wissem. Troisdorf umgab sein Rathaus mit einem Kranz gärtnerischer Anlagen. Die Stadt Troisdorf hat das vom örtlichen Verkehrsverein geprägte Werbewort von der „Stadt im Grünen“ wahr gemacht, zumindest im Bereich des Rathauses in Burg Wissem. Das Rathaus steht nun inmitten einer gärtnerischen Anlage, die insgesamt drei Morgen Rasenflächen umfasst. Jenseits des Burggrabens soll auch noch ein Kinderspielplatz entstehen.“

Nachdem das hygienische Institut der Universität Bonn an vier Stellen in Sieg und Agger Wasser entnommen und untersucht hat, lautet am 19. September das Ergebnis: „Zum Baden ungeeignet.“

Eine stolze Bilanz zieht die Troisdorfer Wohnungsbaugenossenschaft anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens: Seit 1918 baute sie 1035 Mietwohnungen und 200 Eigenheime. Das größte Bauprojekt waren die 114 Wohnungen, die am Hofweiher erstellt wurden.

Mit einem Konzert in der Kongresshalle der Deutzer Messe feiert Willi Schell aus Bergheim am 25. Oktober den 50. Jahrestag als Chorleiter gemeinsam mit seinen sieben Chören. Als sein größtes Erlebnis bezeichnet er seinen Besuch mit dem Werkchor der D.A.G. beim Papst in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo.

In einer kurzen Feier, die anschließend von mehreren Ratsmitgliedern wegen ihrer Schlichtheit kritisiert wird, übergibt Bürgermeister Kitz die Kapelle und Leichenhalle auf dem Waldfriedhof ihrer Bestimmung.

In seiner Novembersitzung wählt der Sieglarer Gemeinderat in geheimer Wahl den von der SPD und dem Zentrum vorgeschlagenen bisherigen Bürgermeister Dresbach für die zwei letzten Jahre der Wahlperiode mit 13 Stimmen wieder. Der CDU-Kandidat Baum erhält 11 Stimmen und wird stellvertretender Bürgermeister. Erstmals wird mit Josef Schäfer, SPD, ein weiterer Stellvertreter gewählt.

Am 9. November feiern etwa 70 Frauen und Männer gemeinsam mit Superintendent Klocke erstmalig in Troisdorf ihre Jubelkonfirmation. Sie waren zwischen 1904 und 1908 die ersten Troisdorfer Konfirmanden.

Der Kreistag wählt Peter Etzenbach, CDU, erneut zum Landrat.

In Troisdorf wird am 20. November der bisher amtierende Bürgermeister Josef Kitz, SPD, abgewählt. Neuer Bürgermeister wird Peter Bröhl, CDU. Stellvertreter wird Bruno Heimansberg, Zentrum, da die SPD keinen eigenen Kandidaten nominiert hat.

Am Freitag, dem 12.12., feiert das älteste Troisdorfer Kino, Litro, nach gründlicher Renovierung Neueröffnung. Das Kino wurde 1920 als „Kronprinzen-Lichtspiele“ eröffnet und im 2. Weltkrieg zerstört. Nach dem Wiederaufbau begann 1948 wieder der Spielbetrieb.

Wegen der zunehmenden Elektrifizierung wird die Bundesbahnbetriebsschule Troisdorf in Oberlar nach München die zweite Schule der Bundesrepublik, in der Führer von Dampflokomotiven in dreiwöchigen Kursen zu E-Lok-Führern umgeschult werden.

Die NRW-Landesregierung beschließt im Dezember den Ausbau des Flughafens in Wahn zum interkontinentalen Düsenflughafen.

1959

Am 4. Januar wird der Kinderhort von St. Hippolytus an der Friedensstraße   offiziell seiner Bestimmung übergeben, nachdem der Kindergarten schon 1955 als „Haus St. Michael“ eingeweiht worden war.

Die Statistik des Siegkreises weist u. a. folgende Einwohnerzahlen pro Kommune aus: 1. Siegburg 32 128 Einwohner, 2. Amt Menden 18 920 E., 3. Gemeinde Sieglar 17 255 E., 4. Stadt Troisdorf 16 171 Einwohner. Die größte Bevölkerungsdichte weist Troisdorf mit 2179,3 Einwohnern pro qkm auf.

Die Gemeinde Sieglar betrauert am 6.1. den Tod ihres stellvertretenden Bürgermeisters und langjährigen Schiedsmanns Engelbert Kemp.

Unter dem Motto „Di-La-Hei“ („die lachende Heimat“) steht am 17.1. die große Prunksitzung des Vaterstädtischen Vereins mit dem Präsidenten Franz Caspers im Saal Mörsch. Unter den Klängen der Kapelle Hans Stenz treten u. a. auf: Schmitz-Grön (Köln), Otto Kant (Köln), de „doof Noss“ Hans Hachenberg, Fritz Reuter und Anton Ropertz, beide aus Bonn, und Kurt Lauterbach.

Schmitz-Grön erzählt: „Früher bin ich managerkrank gewesen. Heute habe ich die Teenager-Krankheit. Deshalb fahre ich auch mit dem Moped. Do kamme mih senn. Bei der Lugerei han ich en Frau aanjefahre. Die wor esu deck, dat se net op eenmol op de Welt jekomme sen konnt. Ich wör och jern öm se röm jefahre, ävver ich woss net, op de Sprit dofür usreeche dät.“

Otto Kant als „Herr Gedöns“ sagt zu seiner Frau: „Ich han et Levve satt. Ich springe vom Balkong.“ Frau Gedöns: „Dann bes esu nett un nemm wenigstens de Müllemmer met.“ (So der Kölner Stadt-Anzeiger am 19.1.)

Am 22.1. geht Oberkreisdirektor Josef Clarenz in den Ruhestand. Paul Kieras wird am 2.2. einstimmig zu seinem Nachfolger gewählt.

Zum Tod von Peter Thiesen am Freitag, dem 13.2., schreibt der KSTA folgenden Nachruf: „Nach langer, schwerer Krankheit ist eine der markanten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Gastwirt Peter Thiesen, gestorben. Peter Thiesen, der bis zu seiner Krankheit die Gastwirtschaft „Zum Römer“ bewirtschaftet hat, gehörte einer Vielzahl Troisdorfer Vereine an. … Nach schweren Verlusten im Zweiten Weltkrieg baute er Saal und Gastwirtschaft wieder auf. Im Thiesenschen Saal fanden auch die Feiern zur Stadterhebung Troisdorfs statt.“

Auf der Versammlung der Schwerbeschädigten der Dynamit-AG. Anfang März gibt ihr Obmann Hubert Eich bekannt, dass die Schwerbeschädigtenquote des Troisdorfer Werks vorbildlich sei. Unter den insgesamt 8075 Beschäftigten arbeiten 440 Schwerbeschädigte.

Auf ihrer Mitgliederversammlung Anfang März in der Gastwirtschaft Solbach beschließt die „Gesellschaft für Humor und Frohsinn Schäl-Sick Troisdorf“, sich einen neuen Namen zu geben: „Karnevalsgesellschaft „Schäl-Sick“ Troisdorf.

Am 28.3. schreibt der „Anzeiger für Rhein und Sieg“: Im Alter von 49 Jahren starb am 23. März nach schwerem Leiden in Rottach-Egern Frau Irmgard Mannstaedt. Als Tochter der bekannten Familie, nach der heute noch das große Troisdorfer Werk benannt ist, hatte sie sich ganz der Musik verschrieben. Schon vor vielen Jahren galt sie als bekannte Pianistin und Musikpädagogin. Nach dem Krieg wirkte sie am Konservatorium in Duisburg als Lehrerin, bis ein schweres Leiden ihrem Schaffen ein Ende setzte. Die Verstorbene wird nach Troisdorf überführt und in der Gruft der Familie Mannstaedt beigesetzt werden.

Am 2.4. schreibt der Generalanzeiger: „Der Landesplaner Dr. Lehmann hat die Troisdorfer Hoffnungen, dass die Stadt mit Oberlar und Sieglar zu einem zusammenhängenden Komplex zusammenwachsen könnte, mit dem Hinweis zerstört, dass zwischen dem Komplex Oberlar-Troisdorf und Sieglar immer ein breiter Schutzstreifen liegen werde, der das Zusammenwachsen verhindere.“ (Diese Frage wurde im Zusammenhang mit dem Projekt einer neuen Straße von Beuel zum Flughafen Wahn diskutiert, die seit Wochen die Gemüter erhitzte.)

Am 11. April berichtet die Siegkreis-Rundschau von einer „Werksfeier für Josef Kitz“: „Josef Kitz (64), langjähriger Sozialprokurist der Klöckner-Mannstaedt-Werke und bewährter Kommunalpolitiker, in dieser Eigenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg Bürgermeister in Troisdorf, renommiertes Mitglied des Kreistags, konnte am 5. April auf 50 Arbeitsjahre in den Klöckner-Mannstaedt-Werken zurückblicken. Aus diesem Anlass wird am Montag eine offizielle Werksfeier stattfinden. Der Jubilar … begann 1909 seine Lehre als Dreher. Vor dem Ersten Weltkrieg kam der geborene Kölner mit einem großen Teil der Belegschaft nach Troisdorf. … Er war Mitglied des Betriebsrats und nach dem Zusammenbruch Vorsitzender der Betriebsvertretung. Aus dieser Funktion heraus wurde er Leiter des Sozial- und Arbeitswesens der Klöckner-Mannstaedt-Werke. … Schon in jungen Jahren trat Kitz der SPD bei … Wie groß auch immer die Verdienste sein mögen, die seine soziale Tätigkeit aufweist, sie müssen verblassen gegenüber den hervorragenden menschlichen Eigenschaften des Mannes. Er hat nicht nur ein Ohr, sondern auch ein Herz für alle; er ist ein guter Kamerad und ein Garant der absoluten Verlässlichkeit.

Unter der Überschrift “Riesenflut“ wälzte sich vom Sportplatz“ berichtet der KSTA am 28. April: „Alle Hände voll zu tun hatte die Polizei am Sonntagnachmittag, um den reibungslosen Abmarsch der über 5 000 Fußballfreunde nach dem Spiel des SSV 05 Troisdorf gegen SSV 04 Siegburg zu gewährleisten. Zu Tausenden drängten sich die Fußballanhänger nach dem Schlusspfiff durch die Straßen. … Der Parkplatz „Auf der Heide“ reichte naturgemäß nicht aus. Alle Zufahrtsstraßen bis hinein ins Stadtzentrum waren mit parkenden Autos und Motorrädern besetzt.“

In der Sendung „Komponisten in Nordrhein-Westfalen“ stellt der WDR am Montag, 4. Mai, 15.05 Uhr, den Troisdorfer Musikpädagogen und Komponisten Heinz Irsen vor. Das Kruschek-Quartett spielt von Heinz Irsen als Uraufführung das Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello Nr. 6. Heinz Irsen … ist bisher mit verschiedenen Kammermusiken, Vokalmusik, Klavierwerken und Kompositionen für Orchester hervorgetreten.

„Der Siegkreis wird sich dem Kampf der Städte Siegburg und Troisdorf, der Gemeinde Hennef und des Amtes Menden gegen den Lärm der in Wahn startenden und landenden Düsenflugzeuge anschließen. Diese Zusage machte Landrat Etzenbach in der jüngsten Tagung der kommunalen Arbeitsgemeinschaft gegen den Fluglärm“, berichtet der General-Anzeiger am 5. Mai.

Aus Anlass des 50-jährigen Dirigentenjubiläums des Musikdirektors Heinz Königshausen veranstaltet der Troisdorfer Männergesangverein am Samstag, dem 9. Mai, im Saalbau Mörsch, Troisdorf, zusammen mit dem MGV Siegburg-Wolsdorf und der Brühler Chorvereinigung 1846 ein großes Gemeinschaftskonzert zu Ehren des Jubilars.

Am 8.6. schreibt der Anzeiger für Sieg und Rhein: „Keine Verwaltungsgemeinschaft! Gemeinde Sieglar baut Rathaus. Die Tendenzen einer Annäherung an Troisdorf sind endgültig überwunden. – Die Sondersitzung, zu welcher der Gemeinderat Ende vergangener Woche zusammenkam, wird einmal als denkwürdig in die Geschichte der Gemeinde eingehen. Zwei entscheidende Ergebnisse können festgehalten werden. Bei nur vier Enthaltungen und ohne Gegenstimmen beschloss der Gemeinderat, in Sieglar ein neues Rathaus zu bauen. Eventuell in Sieglar zeitweilig aufgekommenen Neigungen zu einer von Troisdorf gern gesehenen Verwaltungseinheit beider Gemeinden ist damit eine entschiedene Absage erteilt worden.

Der Kölner Stadt-Anzeiger schreibt am 10. Juni zum Thema Düsenflughafen Wahn: „Kampf gegen Lärm geht weiter – Kreis schließt sich dem Protest der Kommunen an … Zur Verhütung gesundheitlicher Schäden hält der Kreistag für mindestens erforderlich: 1. Die Auflage, dass zur Nachtzeit nicht gestartet wird. Die Auflage, dass bei Vorhandensein verschieden lauter Maschinen jeweils nur die leiseren starten dürfen.

Am 12. Juni teilt der Kölner Stadt-Anzeiger mit: „Wir haben zwar einstimmig beschlossen, selbstständig zu bleiben“, sagten die Sieglarer Vertreter im Koordinierungsausschuss, „das soll jedoch keineswegs heißen, dass wir damit die Tür für andere Gespräche als die über den Großraum zugeschlagen hätten. Es steht damit den gemeinsamen Plänen über das Feuerschutzwesen und anderen gemeinsam interessierenden Fragen nichts im Wege.“

In seiner Ausgabe vom 13./14, Juni fragt der Kölner Stadt-Anzeiger: „5 000 Bürger bald ohne Saal – Was soll geschehen? Die Träger des gesellschaftlichen Lebens in Spich sind bestürzt: Wo sollen wir unsere Veranstaltungen abhalten, wenn auch der letzte Saal seine Pforten geschlossen hat, wenn aus diesem letzten Raum für größere Veranstaltungen ein Kino geworden ist?

Die 85-jährigen Bürgerinnen und Bürger der Stadt erhalten ab sofort zu ihrem Geburtstag ein Ehrengeschenk der Stadt, beschloss der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung. Das Ehrengeschenk wird ab dem 90. Lebensjahr jährlich gewährt.

Am Kreisleistungssingen im Troisdorfer Saal Thiesen beteiligten sich zehn Chöre aus dem Siegkreis. Sieben von ihnen erhalten die Note „sehr gut“, womit sie sich für das Bezirksleistungssingen qualifizieren.

Der soeben gegründete Fußballverein Fortuna Müllekoven beantragt zur nächsten Ratssitzung der Gemeinde Sieglar Anfang Juli einen Zuschuss zur Wiederherstellung des Sportplatzes in der Siegniederung. Die Gemeinde ist grundsätzlich bereit zu helfen, möchte aber zunächst wissen, wie viele Landesmittel dafür zu erwarten sind.

Der Bauausschuss der Stadt Troisdorf beschließt im Juli den erstmaligen Ausbau der Straßen „Am Sanderhof“ und „Im Grund“ zum Preis von 55 000 DM.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Flughafens schreibt der Stadt-Anzeiger am 22.Juli: „Wird die Wahner Heide wieder gesperrt? Schon vor Monaten tauchte das Gerücht auf, die Militärdienststellen … wollten den Truppenübungsplatz Wahn wieder sperren. Das Gerücht wurde vor Monaten zurückgewiesen. … Inzwischen wurde aber offiziös bekannt, dass die Sperrpläne ernsthaft verfochten werden.“ Und so geschieht es. Die Heide bleibt formell bis 1968 gesperrt.

Infolge des ungewöhnlich warmen Sommers ertrinken im Juli innerhalb einer Woche zwei junge Männer unweit der Eisenbahnbrücke in der Agger; ein dritter wird im letzten Augenblick gerettet. Der Bürgermeister erlässt dort ein Badeverbot.

Bürgermeister Bröhl erhält Ende Juli einen Brief des ehemaligen Troisdorfer Bürgers Rudolf Petri, den dieser am 20.Juli in Hoshiarpur, dem damaligen Exil des Dalai – Lama, abgeschickt hat. Die Rundschau schreibt über diesen Vorgang: „Troisdorfer wurde Buddhapriester.“ Petri war 1944 nach Schweden ausgewandert. 1952 wurde er in London zum buddhistischen Priester geweiht. Nach dem Tod seiner Frau verzog er 1955 nach Indien, wo er nach eigenen Angaben nach drei Monaten als erster Europäer Vorsteher eines buddhistischen Tempels wurde.

Die Gemeinde Sieglar unterstützt die Bemühungen der Schulen und Elternvertreter, auf einer vierwöchigen Wanderausstellung den Eltern und Schulkindern „gutes Spielzeug“ vorzustellen. Die Ausstellung wird vom 29.August bis 20.September in allen Sieglarer Schulen präsentiert.

Noch vor Abschluss der Badesaison vermeldet der Stadt-Anzeiger am 21.8.: „Troisdorfer Bad hat Rekord gebrochen. Das Freibad an der Agger hat schon jetzt, Mitte August, den im vergangenen Jahr mit 73 000 Besuchern erreichten Rekord gebrochen und wird in diesem Jahr weit über 80 000 Badegäste aufgenommen haben, wenn die warmen Tage, die soeben wieder unser Land beherrschen, noch etwas anhalten. … Die Badegäste sind vor allem über die peinliche Sauberkeit aller Einrichtungen erfreut. Dieser Erfolg geht vor allem auf die emsige Arbeit des Bademeisters Erbshäuser zurück, der von morgens bis abends tätig ist und meistens nicht vor halb zwölf Uhr abends die Türe des Bades hinter sich schließen kann. Dabei beginnt er schon morgens um sechs mit den Vorarbeiten.“ Zum Schluss der Saison verzeichnet die Statistik 104 300 Besucher.

Am 26.8. erleben Troisdorf und Siegburg einen Menschenauflauf, wie es ihn vorher und nachher nicht wiedergegeben hat. Dwight D. Eisenhower, der Präsident der USA, kommt zum Staatsbesuch nach Bonn. Kurz nach 19 Uhr landet sein Flugzeug in Wahn. Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer empfängt ihn mit seinem gesamten Kabinett. Mehr als 70 Autos bilden anschließend einen Konvoi, der sich mit Tempo 30 vom Flughafen durch Wahn, Spich, Troisdorf und Siegburg nach Bonn schlängelt. Die Orte sind mit Fahnen, Transparenten und Bildern geschmückt. Hunderttausende bilden ein dichtes Spalier, um „Ike and Conny“ zu begrüßen. Sowohl in Troisdorf als auch in Siegburg halten sie kurz an, um Geschenke entgegen zu nehmen.

Zu Beginn des neuen Schuljahres wird in Sieglar der Kindergarten an der Mühlenstraße feierlich eingeweiht. Er wurde nach Plänen des Architekten Niggemann für 135 000 DM erstellt. Bei seiner Eröffnungsrede sagt der stellvertretende Bürgermeister Baum den Anwesenden, wer Sorgen habe, möge sich getrost an die Verwaltung oder ihn wenden. Prompt meldet sich Volksschulrektor Kaltwasser zu Wort und weist auf die Sieglarer Schulprobleme hin.  In der Tat hat Sieglar angesichts ständig steigender Einwohnerzahlen großen Nachholbedarf an Schulen.

Am 14.9. berichtet der Stadt-Anzeiger: „Eisenhower dankte persönlich. Der Dankesbrief an den Troisdorfer Bürgermeister trägt die persönliche Unterschrift des amerikanischen Präsidenten. „Ich möchte mich bei Ihnen und Dr. Kaesbach herzlich für das Buch über Troisdorf bedanken … ebenso für den Teller mit dem Wappen Ihrer Stadt. Ich danke Ihnen auch für Ihre guten Wünsche zum Erfolg der Mission, die mich nach Europa gebracht hat.““

Am 28.9. wird der zweite Sportplatz auf der Heide eingeweiht. Bürgermeister Bröhl überreicht dem Vorsitzenden des Turnvereins, Dr. Joseph Haller, die Schlüssel des neuen Platzes, der vor allem den Leichtathleten zur Verfügung stehen soll.

Aus Anlass der Kunststoffmesse in Düsseldorf erstellen Mitarbeiter der DAG im Oktober vor dem Gebäude des wissenschaftlichen Labors ein Haus, das nahezu ganz aus Kunststoff besteht.

Am 17.Oktober meldet die Rundschau: „Das Aggerwehr in Troisdorf ist schon seit Wochen völlig trocken. Zwar gibt der Aggerverband aus seiner Talsperre zwei Kubikmeter Wasser je Sekunde an die Agger ab, aber selbst diese Menge reicht mit dem geringen Zufluß der großenteils ausgetrockneten Nebenbäche nicht mehr aus, um den Unterlauf der Agger mit Wasser zu beschicken.“

Am 30.Oktober besucht Belgiens König Baudouin die belgischen Kasernen in Altenrath und Spich. Die Generäle Baron Jacques de Dixmude und Cortiens begrüßen ihn gemeinsam mit einigen tausend Soldaten und zahlreichen belgischen und deutschen Zivilpersonen. Anlässlich eines Lunchs im Spicher Kasino begrüßen ihn die Spitzen des Kreises und der Städte Siegburg und Troisdorf. Im Anschluss daran fährt der König zum Staatsbesuch nach Bonn.

Anfang November gestaltet Willi Schell das Herbstkonzert des Werkchors der DAG erstmalig in der Beethovenhalle in Bonn. Weitere Mitwirkende sind die Sopranistin Ilse Hollweg und der Pianist Wilhelm Precker. In seinem Grußwort sagt der Vorsitzende Dr. Walter: „Es bedeutet für den Werk-Chor eine hohe Ehre, dass er schon kurz nach der Eröffnung der neuen Beethovenhalle in diesem weihevollen Hause konzertieren darf.“ (Die Beethovenhalle wurde im September eingeweiht.)

Im Verlauf der Herbstmonate treffen sich die Troisdorfer Karnevalisten wiederholt, um die kommende Session vorzubereiten. Das deprimierende Ergebnis: Im dritten Jahr hintereinander gibt es keinen Prinz Karneval.

Anlässlich des bevorstehenden Weihnachtsfests besucht Bürgermeister Bröhl alle über 85 Jahre alten Bürgerinnen und Bürger der Stadt, um ihnen ein Geschenk zu überreichen.

Zum Jahreswechsel blickt Sieglars Bürgermeister Bernhard Dresbach auf das vergangene Jahr zurück und auf das neue Jahr voraus: „1959 konnten wichtige Aufgaben gelöst werden. So konnten der Schulneubau in Bergheim und der Erweiterungsbau in Müllekoven begonnen werden. Beide Projekte werden im kommenden Jahr fertiggestellt. Im Straßenausbau und Kanalbau hat die Gemeinde vorbildliches geleistet, ebenso für die Verkehrssicherheit. Gewiß, alle Wünsche konnten nicht erfüllt werden. Ich denke dabei an den so notwendigen Schulneubau für Sieglar, an die ebenso notwendige Erweiterung des Rathauses und nicht zuletzt an den Bau der Turnhalle in Spich. Das sind Aufgaben, denen sich der Rat im kommenden Jahr besonders annehmen wird.“

1960

Der Anzeiger für Sieg und Rhein schreibt am 7.1.: Nur noch der Frost fehlt, um der Jugend der Stadt Troisdorf die Freude zu bereiten, wieder an geschützter Stelle eislaufen zu können. Die Stadt hat – wie auch in den Vorjahren – den Heimbach hinter der Burg Wissem anstauen lassen und somit eine schöne Wasserfläche geschaffen, die für das Eislaufen aber noch zufrieren muss.

Am 13.1. berichtet der Stadt-Anzeiger: „Dynamit Nobel Aktiengesellschaft“ oder abgekürzt „Dynamit Nobel“ ist der neue Firmentitel der ehemaligen „Dynamit Actien-Gesellschaft vormals Alfred Nobel und Co“. Zu diesem Beschluss kam die außerordentliche Hauptversammlung des Werkes. Unter diesem Titel ist das Werk auch in das Handelsregister eingetragen.

Auf der Jubilarfeier der Dynamit Nobel im Hotel „zum Stern“ in Siegburg teilt Direktor Dr. Fischer einige statistische Daten mit: Ende 1959 hatte das Unternehmen 8757 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr. 34 Prozent der Belegschaft waren Frauen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent. (General-Anzeiger und Stadt-Anzeiger vom 20.1.)

Der Stadt-Anzeiger schreibt am 23.1.: Die Wahl des Gemeindedirektors von Sieglar ist ungültig. Aus formalrechtlichen Gründen ist ein zweiter geheimer Wahlgang an ein und demselben Tag nicht möglich. Bekanntlich wurde der neue Gemeindedirektor Rudolf Trum (bisher Stadtverwaltung Porz) erst im zweiten Wahlgang gewählt. § 49 der Gemeindeordnung sagt: Bei der Wahl eines Gemeindedirektors muss im Falle von Stimmengleichheit der Absatz 2 des § 32 angewandt werden. Das wiederum heißt: Wird die erforderliche Mehrheit nicht erreicht (wie das beim ersten Wahlgang mit 12:12 Stimmen der Fall war), so ist die Wahl in einer neu einzuberufenden Sitzung alsbald in der gleichen Weise zu wiederholen. Der Gemeinderat von Sieglar muss also seinen Gemeindedirektor noch einmal wählen.

Der Stadtrat erhöht den Wasserpreis um 6 Pfennige. Damit bleibt das Troisdorfer Wasser dennoch weiterhin das preiswerteste in ganz Nordrhein-Westfalen. (General-Anzeiger vom 27.1.)

In der Karnevalssitzung der Kolpingfamilie proklamiert Präsident Ferdi Neußer eine Schaufensterpuppe zum Prinzen „Hammenet dem Ersten“, da es in Troisdorf wieder einmal nicht gelang, einen Karnevalsprinzen zu finden. (General-Anzeiger vom 3.2.)

Am 6.2. berichtet die Rundschau: Bei der gestrigen außerordentlichen Sitzung des Sieglarer Gemeinderates wurde … der zweite Wahlgang der Gemeindedirektorenwahl durchgeführt, bei dem Inspektor Rudolf Trum … 17 Stimmen erhielt, während nur sieben Stimmen auf den Beigeordneten Rohlfs entfielen. Damit ist Trum zum Gemeindedirektor gewählt. Er wird dieses Amt am 1.4.1960 antreten.

Am 10.2. schreibt der Stadt-Anzeiger: „Waldcafé Haus Ravensberg besteht jetzt 30 Jahre. Als Aloys Remmel am 6. Februar 1930 das Waldcafé Haus Ravensberg eröffnete, schwebte ihm vor, kein Café im üblichen Sinne zu bieten, sondern mehr ein Erholungszentrum, ein Ausflugszentrum für die Familie. Unter diesem Gesichtspunkt wurde die Anlage gestaltet, unter diesem Motto liefen auch zahlreiche Veranstaltungen der Vorkriegszeit … Der Krieg unterbrach die günstige Entwicklung des Unternehmens. Aus dem Waldcafé wurde ein Lazarett. Nach dem Krieg übernahmen es die Besatzungstruppen. Zunächst richteten die Amerikaner einen Offiziersklub ein. Die Engländer und dann die Belgier taten es ihnen nach. Erst 1955 wurde das beliebte Haus wieder frei. Schwiegersohn Peter Esch und seine Frau übernahmen die Gastwirtschaft, renovierten sie und gaben ihr wieder Ansehen und Glanz.“

„Die finnische Fluggesellschaft „Finnair“ eröffnet am 1. April die Strecke Köln-Helsinki über Kopenhagen mit dem Caravelle-Flugzeug. Gleichzeitig ist das die Düsenpremiere des Köln-Bonner Flughafens.“ (Rundschau vom 24.3.)

Beherrschendes Thema der ersten Hälfte des Jahres 1960 sind die Folgen der Vergrößerung des Flughafens Köln/Bonn. Am 15. Februar wird in einem ersten Schritt die alte Kölner Straße zwischen Altenrath und Grengel gesperrt, da dort die Querwindbahn gebaut wird. Zwar sind sich Bund, Land, Flughafenverwaltung und die belgischen Streitkräfte einig, dass eine Ersatzstraße gebaut wird, aber das kann erst ab 1961 geschehen. Bis dahin müssen die bisherigen Benutzer der Straße einen Umweg von 20 km fahren. (Bericht der Rundschau vom 15.2.) Da durch die Vergrößerung des Flughafens der Truppenübungsplatz erheblich verkleinert wurde, fordern die Belgier Ersatz für ihre Panzerpiste. Diese Piste ist im Süden der Heide am Hang des Fliegenbergs von der Altenrather Straße zum Röhrichtsiefen bis an die Agger geplant. Die Rodungsarbeiten beginnen ebenfalls im Februar. Als der Stadtrat im März erfährt, dass außerdem am Stand 11 eine Raketenbasis und wenige Kilometer westlich davon Munitionsbunker errichtet werden sollen, ist die Empörung einhellig und gewaltig. Selbst die versammelte Lehrerschaft von Sieglar schreibt eine Protestnote gegen den Waldfrevel. Da steht der Troisdorfer Stadtrat nicht zurück. Er beschließt im April eine Protestresolution (Anzeiger für Sieg und Rhein vom 20.4.) an die höchsten Gremien des Bundes, nachdem Wochen zuvor der Stadt-Anzeiger in einer Schlagzeile gefragt hat: „Rollen Panzer bald bis vor die Tore der Stadt?“ (Stadt-Anzeiger vom 26.2.) und die Rundschau (ebenfalls am 26.2.) gedroht hat: „Panzer rücken gegen Troisdorf.“ (Im Jahre 2009 werden Fachleute den Waldfrevel am Fliegenberg „Naturschutzgebiet Fliegenbergheide“ nennen.)

Nachdem der Werkchor der Dynamit Nobel zweimal erfolgreich in der Bonner Beethovenhalle konzertiert hat, wollen die traditionsreichen Troisdorfer Cäcilianer, die eben ihr 100. Stiftungsfest gefeiert haben, nicht nachstehen. Gemeinsam mit dem Schubertbund Bonn unter beider Chorleiter Heinzpeter Stöcker und mit dem Solisten Josef Metternich absolvieren auch sie – am 2. April – mit großem Anklang ein Konzert in der Beethovenhalle. (Rundschau und Stadt-Anzeiger vom 5.4.)

Am 4. April stirbt Josef Hoff, Gründer des Autohauses VW-Hoff. Alle Zeitungen würdigen in den folgenden Tagen sein segensreiches Wirken als Brudermeister der Schützenbruderschaft Sankt Sebastianus und seinen langjährigen Einsatz insbesondere für die Lehrlingsausbildung im KFZ-Handwerk.

Ab dem Monat Mai erhalten die Arbeiter wie schon zuvor die Angestellten bei Klöckner-Mannstaedt keine Lohntüte mehr. Das Geld wird an jedem 10. des Monats auf ihr Konto überwiesen.

Anfang Mai erhält der Rat der Stadt Troisdorf vom Bundesfinanzminister eine Antwort auf seine Resolution zu den Vorgängen in der Heide. Dazu schreibt der General-Anzeiger am 4. Mai: „ … Im Truppenübungsvertrag steht, wie aus dem Schreiben des Bundesfinanzministers hervorgeht: „Die belgischen Militärbehörden dürfen sich ohne Befragung deutscher Stellen das ihnen passende Gelände nehmen, wenn sie auf ihrem bisherigen Gelände eingeengt werden sollten.“ Der Minister schrieb weiter, dass man es als ein Entgegenkommen der Belgier ansehen könne, dass sie die Geländeausweitung nur im Einvernehmen mit deutschen Stellen überlegt hätten… Ursprünglich hätten die Belgier nur 200 ha gewollt, es seien aber aus Sicherheitsgründen 400 ha geworden… Der Troisdorfer Stadtrat entschloss sich, eine weitere Stellungnahme reiflich zu überlegen…“

Die Rundschau berichtet am 6.5.: „Die Amtsvertretung in Lüdinghausen, Westfalen, wählte am gestrigen Donnerstag in einer öffentlichen Sitzung den Bürgermeister der Stadt Troisdorf, Assessor Peter Bröhl, zum Amtsdirektor für die Dauer von 12 Jahren.“

Schach-Großmeister Lothar Schmidt spielt im Troisdorfer Hof simultan gegen die 37 besten Schachspieler des Siegkreises. Er gewinnt 26 Partien, verliert vier und spielt siebenmal unentschieden, wie der General-Anzeiger und der Stadt-Anzeiger am 10.5. berichten.

Peter Heuser, seit 1948 Pfarrer an Sankt Hippolytus, wird mit Wirkung vom 10. Mai von Kardinal Frings als Nachfolger von Ludwig Wirtz zum Dechant des Dekanats Troisdorf berufen. (Rundschau vom 13.5.)

Am 17. Mai berichtet der General-Anzeiger über ein glanzvolles Konzert des Männergesangvereins Friedrich-Wilhelms-Hütte mit dem aus Funk und Fernsehen bekannten Kenneth Spencer als Solist im Kasino der Klöckner-Mannstaedt-Werke.

Am 21. Und 22. Mai feiert der Troisdorfer Männergesangverein (später Troisdorfer Männerchor) sein 50-jähriges Jubiläum. Dazu schreibt der Stadt-Anzeiger am 24.5.: „Der MGV steht wieder ganz oben.“ Die Festansprache hält Realschuldirektor Dr. Pütz. Dirigent des MGV ist seit zehn Jahren Heinz Königshausen. Vorsitzender Peter Lindlar erinnert in seiner Begrüßungsrede im Namen aller kulturtreibenden Vereine daran, dass „in Troisdorf eine Festhalle als würdige Pflegestätte der Kultur“ fehle. (Rundschau vom 24.5.)

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der freiwilligen Feuerwehr Sieglar findet am Samstag, dem 18. Juni, ein Festakt im Saal Schumacher statt. Dabei werden unter anderem 12 Männer für ihre 50-jährige Mitgliedschaft geehrt: Franz Bargon, Peter Bornheim, Christian Engelskirchen, Franz Klein, Karl Kurscheidt, Hermann Linden, Ludwig Mertens, Jakob Offermann, Heinrich Over, Jakob Schmitz, Wilhelm Schmitz und Gregor Stannartz. Am Sonntag findet aus demselben Anlass der Kreisfeuerwehrtag in Sieglar statt. Über das Ereignis berichten alle Tageszeitungen am 20. und 21.6 ausführlich.

Am 25.6. berichtet die Rundschau über den bunten Abend der Theatergemeinde mit Kräften der Bonner Oper im Saal Thiesen. Den größten Beifall erhielten demnach Kapellmeister Heribert Beißel und die Prima Ballerina Tamara Pilossian.

Dr. Günter Nöfer, Sprecher der CDU-Fraktion, und Bruno Heimansberg, Sprecher der Zentrumsfraktion, teilen der Presse mit, dass beide Fraktionen im Rat der Stadt Troisdorf eine Arbeitsgemeinschaft eingegangen sind. Dies wird als erster Schritt eines Zusammenschlusses beider Parteien angesehen, wie Joseph Möller vom Anzeiger für Sieg und Rhein am 28.6. meint.

Peter Bröhl, von 1954 bis 58 Fraktionsvorsitzender der CDU im Troisdorfer Stadtrat und seit 1958 Bürgermeister, tritt zum 1. Juli die Stelle des Stadtdirektors von Lüdinghausen an.

Am 2. Juli berichtet die Siegkreis-Rundschau: Die Stadtvertretung von Troisdorf hat beschlossen, Abt Ildefons Dr. Schulte-Strathaus zu seinem 25-jährigen Abtjubiläum eine Ehrengabe von 500 DM für die Abtei zu überreichen.

Der Anzeiger für Sieg und Rhein schreibt am 9. Juli: Die Altenrather Straße, die sich zwischen Heerstraße und Panzerstraße bisher in einem kaum zu beschreibenden, schlechten Zustand befand, ist nunmehr ausgebaut und mit einer Teerdecke versehen worden.

Am 13. Juli veranstaltet die Troisdorfer Theatergemeinde unter der Leitung von Paul Pick im Park des Waldcafés ein Serenadenkonzert. Das Rheinische Kammerorchester Köln, Dirigent Edgar Seipenbusch, spielt Werke von Mozart, Boccherini und Britten.

Harald Feuerherm von der Leichtathletikabteilung des SSV 05 Troisdorf wird am 16. Juli bei den Leichtathletikmeisterschaften in Oberhausen westdeutscher Juniorenmeister über 400 Meter in der Zeit von 49,2 sec.

Sieglinde Engels siegt am 24. Juli beim Rheinischen Landesturnfest in Rheydt im Gymnastik Vierkampf.

Am 17. August berichtet der General Anzeiger: Die Bundespost hat damit begonnen, der Stadt Troisdorf ein automatisches Selbstwählamt für den Telefonverkehr zu geben. Schräg gegenüber der Schule Viktoriastraße wird der Neubau geschaffen, in dem das automatische Selbstwählamt untergebracht wird. Die „Fräuleins vom Amt“, die Zurzeit noch die gewünschten Telefonverbindungen vermitteln, werden sich also nach einer anderen Beschäftigung umsehen müssen.

Dr. Hans-Hero Vosgerau, kaufmännischer Direktor der Klöckner-Mannstaedt-Werke und Präsident der Industrie- und Handelskammer Bonn, begeht am 24. August seinen 60. Geburtstag. Alle Zeitungen berichten fast gleichlautend: In den elf Jahren, in denen er die kaufmännische Leitung hat, konnte das Werk einen beachtlichen Aufstieg erleben

„„Jonas“ in Troisdorf“, schreibt der Stadt-Anzeiger am 27. August.  „Am Montag, dem 29. August, kann das „größte Tier der Welt“ von 10 bis 22 Uhr besichtigt werden. Der Wal steht auf einem Tieflader auf dem Pfarrer-Kenntemich-Platz. Nicht der Herr – wie durch einen Druckfehler in unserer Freitagsausgabe zu lesen war – sondern das Herz des Wales wog zehn Zentner.“

Heinrich Rauhfuß, soeben mit 26 Jahren jüngster Schützenkönig der Schützenbruderschaft St. Sebastianus geworden, wird am 28. August Bezirksschützenkönig.

Am 2. September schreibt die Rundschau: „Die neue Anlage mit dem Kinderspielplatz an der Burg Wissem hat nicht nur regen Zuspruch bei Kindern und Müttern gefunden, sondern hat der Stadtvertretung und –verwaltung auch Dank und Anerkennung eingebracht, die eine Mutter für viele in einem kleinen Gedicht ausgesprochen hat.“

Der Anzeiger für Sieg und Rhein berichtet am 2. September: „In einer sehr gut besuchten Versammlung wurden gestern Abend im Lokal Simm (Canisiushaus) die eingesandten Vorschläge für das Motto des Rosenmontagszuges bekannt gegeben. Mit Stimmenmehrheit entschieden sich die Anwesenden für das von H. Naujoks, Siegburg, vorgeschlagene Motto „Wat mir all han“. (Auf derselben Sitzung wurde beschlossen, „den Rosenmontagszug auf den Sonntag zu verlegen“, wie die Rundschau am 3. September schrieb.)

Am 22. September werden in einem Bericht der Rundschau die Sieglarer „Gemeindeväter“ mit Lob überhäuft. Die schulfreudigste Gemeinde im Siegkreis sei Sieglar, lobt Schulrat Dr. Römer als Vertreter des Regierungspräsidenten. Er zeigt sich wie die anderen Gäste von dem schönen und zweckmäßigen Neubau der Schule in Bergheim sehr beeindruckt.

„Fünf Klassen werden von katholischen und eine Klasse von evangelischen Kindern genutzt. Weiter gibt es ein Physik- und Lichtbildzimmer, einen Werkraum, ein Arztzimmer, Lehrerzimmer für beide Konfessionen und einen Konferenzraum. Das Prunkstück der Schule aber ist die vorbildlich eingerichtete Lehrküche.“ Weiter schreibt die Rundschau: „Mit berechtigtem Stolz weist Bürgermeister Dresbach darauf hin, dass man bis jetzt 21 Mio. DM verbaut habe. Landrat Buchholz spricht den Dank des Kreises dafür aus, dass man in Bergheim so Vorbildliches für die Jugend getan habe, denn die Schule sei die Keimzelle einer wahren Demokratie.

Hauptlehrer Brodeßer für Bergheims katholisches System, Lehrer Fischer für den evangelischen Teil der Schule und Hauptlehrer Baumann für Müllekoven danken für das Geschenk, das man der Jugend hier gemacht habe. Nach den Geistlichen beider Konfessionen dankt als Letzter Ortsvorsteher Boss. Anschließend besichtigt man die erweiterte und renovierte Schule in Müllekoven.“

Nur vier Räume stehen den sechs Schulklassen der Martin-Luther-Schule in Oberlar zur Verfügung, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger am 28. September. Deshalb werden die Kinder jetzt in Kurzstunden unterrichtet, um Schichtunterricht zu vermeiden.

Im September prüft die Gemeinde Sieglar die Gründung eines Zweckverbandes mit Troisdorf zur Errichtung einer Sonderschule. Am 11. Oktober berichtet der General-Anzeiger von einer Sitzung des Sieglarer Gemeinderats, in der Bürgermeister Dresbach und Ratsmitglied Beu gleichlautend sagen, die Frage einer gemeinsamen Sonderschule sei geprüft worden. Im Ergebnis habe man feststellen müssen, dass es auch zusammen mit Troisdorf an der nötigen Schülerzahl fehle. Schließlich schreibt der General-Anzeiger nicht ohne Spott: „Danach gab sich der Gemeinderat aber schnell der Kirmesstimmung hin, wobei sich die Fraktionen der CDU und SPD angesichts der kommenden Kommunalwahl in ihrer Geberfreudigkeit – für das katholische Jugendheim Oberlar, den Troisdorfer Schwimmverein, MGV Liederkranz, die Deutsche Jugend des Ostens, die Kaninchenausstellung in Mondorf, das Stiftungsfest des Tambourkorps Spich – überboten.“

Josef Möller schreibt am 7. Oktober im Anzeiger für Sieg und Rhein: „Am 10. Oktober vollendet Direktor Dipl.-Ing. Heinrich Osing, der technische Leiter der Klöckner-Mannstaedt-Werke, sein 60. Lebensjahr. Er war als Walzwerker zuerst in der Georgsmarienhütte und seit 1939 im Spezialprofilwalzwerk in Troisdorf tätig. Hier hat er die Entwicklung der Spezialprofile als Walzwerkchef in besonderem Maße vorangetrieben. 1953 wurde ihm die technische Leitung der Klöckner-Mannstaedt-Werke übertragen.“

Am 10. Oktober schreibt der Generalanzeiger: „Die Stadt Troisdorf soll die endgültige Bebauung des Wilhelm-Hamacher-Platzes nicht abwarten, hat der Bauausschuss bei einer Ortsbesichtigung empfohlen. Das Bauamt soll sofort einen Plan ausarbeiten, in dem festgelegt wird, wie die Missstände, die sich auf dem Platz breit gemacht haben, beseitigt werden können. Es soll eine öffentliche Bedürfnisanstalt eingeplant werden. Geld für die vorgesehenen Maßnahmen sind noch im Etat vorhanden.“

Der Anzeiger für Sieg und Rhein schreibt am 10. Oktober: „In Darmstadt ist am 29. September der frühere Kreisleiter des Siegkreises, Hermann Thiel (48 Jahre), festgenommen worden. Er steht unter dem Verdacht, sich 1945 der erfolglosen Anstiftung zum Mord schuldig gemacht zu haben. Wie das Landgericht Bonn mitteilt, soll Thiel kurz vor dem Einmarsch der alliierten Truppen am Kriegsende den Befehl gegeben haben, die politischen Häftlinge der Anstalt zu töten. Dem Vorstand des Siegburger Zuchthauses, Heider, und seinem Vertreter Hoffmann, der jetzt Leiter der Bonner Haftanstalt ist, gelang es, Thiels Anordnung hinauszuzögern, bis die Alliierten in Siegburg einzogen.

Nach dem Weggang des Troisdorfer Bürgermeisters Peter Bröhl nach Lüdinghausen wollte der Rat der Stadt Troisdorf die Zeit bis zur vorgesehenen Kommunalwahl im Oktober ohne Neubesetzung überbrücken. Die Kommunalwahl wurde verschoben; da ein neuer Termin für die Wahl noch nicht bekannt war, legte die Stadt auf Geheiß der Gemeindeaufsicht den 20. Oktober als Termin für die Wahl des Bürgermeisters fest. So kann der General-Anzeiger am 21. Oktober als erste Zeitung melden: „Der Stadtrat wählte auf seiner gestrigen Sitzung den bisherigen stellvertretenden Bürgermeister Bruno Heimansberg (Zentrum) zum Ersten Bürgermeister. Zum stellvertretenden Bürgermeister wurde Stadtvertreter Franz Rödder (CDU) gewählt.

Am 30. November berichtet der General-Anzeiger, dass die Gemeinde Sieglar plant, der Dynamit AG den Schirmhof abzukaufen, da mit Ablauf des Jahres 1960 der Pachtvertrag ausläuft.

„Die Stadt hat zwar mit dem Verwaltungsgebäude der Dynamit-Nobel AG bereits ein beachtliches Hochhaus (das erste im Siegkreis), nun aber hat sie auch ein Wohnhaus bekommen, das über das bisher übliche Maß hinausgeht. Die Dynamit-Nobel hat an der Ecke Paul- und Emil-Müller-Straße ein fünfgeschossiges Wohnhaus errichten lassen, das beim Richtfest als das „größte Wohnhaus Troisdorfs“ bezeichnet wurde.“ Dies berichtet der General-Anzeiger am 28.12.

„Mit der Arbeit des bisherigen Stadtrats nicht zufrieden“, lautet eine Schlagzeile des Stadt-Anzeigers am 29. Dezember. „Eine Bürgerliste für die kommenden Kommunalwahlen aufzustellen, beschloss die Generalversammlung des Gewerbeverbandes einstimmig. Die Liste wurde mit der allgemeinen Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Arbeit der Parteien begründet. Die Versammlung wählte folgenden neuen Vorstand: I. Vorsitzender Wilhelm Pütz, II. Vorsitzender Josef Mimzeck, Kassierer Karl-Ludwig Muss-Waldorf, Schriftführer August Schmitz, Beisitzer Theo Weber und Rudolf Polster.

1961

Zu Jahresbeginn weist die Einwohnerstatistik des Siegkreises 1 437 Gastarbeiter aus, darunter 239 Frauen. Griechen stellen mit 835 Männern die größte Gruppe, gefolgt von 214 Italienern und 159 Spaniern. (Anzeiger für Sieg und Rhein vom 18. Januar 1961)

In der Gemeinde Sieglar stehen wichtige Renovierungsmaßnahmen kurz vor dem Abschluss: Die Schule in Eschmar ist zusätzlich noch erweitert worden und wird am ersten Schultag des neuen Jahres, am 9. Januar, bezogen. Während das Sieglarer Pfarrhaus schon in frischem Weiß erstrahlt, muss an der Kirche nur noch der Turm renoviert werden.

Nach fünfjähriger Pause wird in Troisdorf endlich wieder ein Prinz proklamiert. Es ist Karl-Heinz I. (Haas). Adjutant ist Helmut Meisel. Die Proklamation findet am 14. Januar im Saal Mörsch statt.

Der Stadt-Anzeiger berichtet am 4. Januar, dass der bisherige Kaplan an St. Hippolytus, Heinrich Müller, zum Pfarrer des neuen Rektorats St. Mariä Königin berufen wurde. Das Rektorat verfügt zwar noch über keine eigene Kirche. Die Vorbereitungen für den Kirchenbau werden jedoch mit Eifer betrieben.

Die besten Modellbauer für den Luftsport im Lande Nordrhein-Westfalen kommen aus Troisdorf. Die Troisdorfer Modellbauer errangen im abgelaufenen Jahr bei allen Wettbewerben die meisten Punkte vor Rheinberg, Versmold, Düsseldorf und Hagen. Die Erfolge werden insbesondere auf die Spitzenleistungen der deutschen Jugendmeister H. J. Emons und Werner Käseberg zurückgeführt, berichtet der General-Anzeiger am 12. Januar.

Der Vorstand der Schützenbruderschaft St. Sebastian Troisdorf hat seine erste Sitzung im neuen Versammlungsraum des Schützenhauses abgehalten. Brudermeister Schleifenbaum würdigte die im Siegkreis wohl einmalige Leistung der Troisdorfer Schützen, die in freiwilligem Einsatz diese vorbildliche Anlage mit zwölf Ständen für Pistolen-, Luftgewehr- und Kleinkaliberschießen geschaffen haben und daneben einen Versammlungsraum, der bei dieser Gelegenheit eingeweiht wurde, berichtet die Rundschau am 11. Januar.

Am 12. Januar berichtet die Rundschau über die zum 21. Januar geplante Karnevalssitzung des Vaterstädtischen Vereins Troisdorf (VVT) im Saal Mörsch aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums. Franz Caspers als Sitzungspräsident begrüßt im Verlauf der Sitzung Karl Kuhl als „Et Schnüssge“, Willy Stugg als „Ne Beschwippste“, „Weltreporter“ Matthias Brück, „die doof Noss“ Hachenberg, Jutta Gersten, „die vier Sternenburger“ aus Bonn, „den fast unübertrefflichen Künstler“ Kurt Lauterbach und andere. Von der „doof Noss“ berichtet die Presse am 24. Januar folgendes Bonmot: „Bringen sie meinem Mann einen Eimer, ich glaube, ihm springen die Getränke aus dem Gesicht.“

„Rund 2 000 Arbeitsplätze noch immer unbesetzt“, schreibt Karlheinz Ossendorf am 6. Februar im Stadt-Anzeiger. „Mit Beginn des neuen Jahres hat sich der Arbeitsmarkt wieder stark belebt. In der Industrie hat eine ganz erhebliche Kräftefluktuation eingesetzt. Allgemein gehen die Bestrebungen der Stellenwechsler dahin, schwere Arbeiten aufzugeben und einen Arbeitsplatz mit leichteren und angenehmeren Arbeitsbedingungen bei gleich hohem oder höherem Entgelt zu suchen. Aufgrund der Fluktuation musste das Arbeitsamt Siegburg als Vermittler tätig werden. Die erhebliche Diskrepanz zwischen 2 000 offenen Stellen gegenüber rund 1000 Arbeitsuchenden konnte dadurch aber nicht verringert werden. Nach wie vor sind rund 2 000 Arbeitsplätze im Siegkreis nicht besetzt.“

Am 31. Januar berichtet die Rundschau, dass die Stadtverwaltung ab sofort bis zum 4. Februar Anmeldungen für das noch zu gründende mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium Troisdorf entgegennimmt.

Am „Auelblick“ in Oberlar wird am Samstag, dem 25. Februar, die neue Turnhalle eingeweiht. Die Gesamtkosten betragen 320 000 DM, von denen das Land 75 000 und die Dynamit-Nobel 40 000 DM bezahlen. (BILD)

Alle Zeitungen berichten am 3. März, dass in Troisdorf nur drei Parteien zur Kommunalwahl antreten: CDU, SPD und FDP. Das Zentrum hat sich der CDU angeschlossen. Der Gesamtdeutsche Block/BHE hat keine Liste eingereicht. Entgegen seiner Ankündigung nimmt auch der Gewerbeverband (Rathauspartei) nicht an der Wahl teil.

Am 18. März weiht Landesverkehrsminister Lauscher in Wahn die „mit 3,8 km Länge und 60 m Breite größte Start- und Landebahn Europas ein“, wie die Presse einhellig berichtet.

Die CDU erringt am 27. März bei der Kommunalwahl sowohl in Troisdorf als auch in Sieglar einen großen Sieg. Sie gewinnt in Troisdorf alle Direktmandate und in Sieglar 10 von 12 Stimmbezirken. Auch die Kreistagsmandate gehen alle an die CDU. In Troisdorf gewinnen Otto Jache und Dr. Günter Nöfer und in Sieglar Wilhelm Dölger und Wieland Höck.

Am Karfreitag stellen die Kolpingsöhne im Troisdorfer Wald am Ende der Birkenallee ein Kreuz auf. Sie folgen damit einer Anregung ihres Präses Kaplan Schmidt. (Anzeiger für Sieg u. Rhein vom 1. April)

Am 30. April wählt der Rat der Stadt Troisdorf Bruno Heimansberg, der das Amt schon seit 1960 innehat, erneut zum Bürgermeister. In Sieglar wird Jakob Küpper ohne Gegenstimme zum Bürgermeister gewählt. Landrat des Siegkreises wird Willi Lindlahr aus Hennef.

Am 13. April nimmt das neue Troisdorfer Gymnasium in den renovierten Räumen der „alten Schule“ Kirchstraße mit einer Sexta und einer Quinta seinen Betrieb auf. Schulleiter ist Oberstudienrat Wilhelm Walgenbach.

Bei den Rheinischen Turnmeisterschaften vom 22. Und 23. April wiederholt Sieglinde Engels vom Troisdorfer Turnverein ihren Vorjahreserfolg und wird souverän rheinische Meisterin im gymnastischen Vierkampf der Bundesklasse.

Am 4. Mai beschließt der Rat der Stadt Troisdorf mit Mehrheit den Bau einer Wanne, um den Erweiterungsbau des Rathauses an der Burg Wissem dauerhaft trocken zu halten. (BILD)

Am 15. Mai berichtet der „Anzeiger für Sieg und Rhein unter der Überschrift „50 Jahre Foto Bernauer“: „Heute kann das weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte Foto-Haus Berrnauer, Kölner Straße 55, auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Nach einem Studium der Chemie an der Universität Straßburg und dreijähriger Tätigkeit in der Staatl. Lehranstalt für Foto und Kupfertiefdruck kam Herr Bernauer 1908 nach Troisdorf. Die Siegburger „Deutsche Photographen AG“, die Erfinderin des bahnbrechenden Kupfertiefdruck-Verfahrens, sicherte sich seine Mitarbeit. 1911 gründete Herr Bernauer ein Fotoatelier auf der Hippolytusstraße (vormals Faustgasse), welches einstweilen von seiner Frau als gelernte Fotografin geführt wurde…“

Seit Wochen hat der Waldfriedhof unter einer Wildschweinplage zu leiden, bis Jäger ihnen nachts auflauern. Am 18. Mai meldet der Stadt-Anzeiger: „Auf 15 erhöht hat sich die Abschussquote an Wildschweinen auf dem Waldfriedhof… Die Jäger wollen auch in den nächsten Nächten noch Posten beziehen.

„Die Schauburg-Lichtspiele haben nach über dreißig Jahren ihre Pforten für immer geschlossen“, meldet der Anzeiger für Sieg u. Rhein am 9. Juni.

„In der gestrigen Ratssitzung wurde auf Vorschlag der CDU-Fraktion die Planung einer Festhalle bzw. Aula einstimmig beschlossen. Dr. Günter Nöfer (CDU) wies auf die Dringlichkeit dieser Planung im Hinblick auf das Fehlen geeigneter Räumlichkeiten für das kulturelle Leben in Troisdorf besonders hin“, schreibt die Rundschau am 13. Juni.

1955
1956
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